Erfahrungen

Erfahrungen // Zahnarztbesuch mit Kindern und wieso wir nun wechseln werden

15/11/2017
Angst vorm Zahnarzt - Unser Erfahrungen

Wer mir auf Instagram folgt, hat vielleicht auch meine Story der letzten Tage verfolgt. Dort habe ich von einem Erlebnis erzählt, was Motti und mir immer noch in den Knochen sitzt. Erst später hab ich realisiert was da überhaupt gerade passiert ist und mich für mein Verhalten total geschämt. Wir hatten einen Termin bei Zahnarzt, was für so manche vielleicht völlig harmlos klingt, aber was dort abgelaufen ist, hat uns zu einem Zahnarztwechsel bewegt.

Zahnarzt war nie ein Problem

Fangen wir mal von vorne an . Vor einer Woche mussten wir mit Motti zum Zahnarzt, da eine ihrer Füllungen raus gefallen war. Wir waren völlig entspannt, da Motti bisher keinerlei Angst vorm Zahnarzt hatte. Also gingen wir nach der Schule direkt in die Praxis und wurden auch sofort aufgerufen. Motti setzte sich selber auf den Stuhl und öffnete den Mund. Bis dahin war alles gut. Dann hieß es man müsse die Füllung nun richtig setzen und das mit Hilfe dieser Trenndinger ( sorry aber den Fachbegriff kenn ich nicht ). Motti wurde nervös und ich setzte mich direkt neben sie und hielt ihre Hand. Ich beruhigte sie und sagte ihr dass alles gut wird und sie bald wieder einen schönen Zahn hat. Doch als das Teil gesetzt wurde weinte sie bitterlich und zeigte mir direkt dass es ihr weh tat. Mein Herz blutete und ich hätte ihr am liebsten sofort geholfen, doch was sollte ich tun ? Die Zahnärztin machte den Zahn fertig und wir konnten wieder gehen. Motti weinte bis nach Hause und sagte immer wieder wie weh es tat und dass sie das nie wieder haben möchte. Es vergingen ein paar Tage und plötzlich stellten wir fest dass an der anderen Seite ebenfalls eine Füllung anfing sich zu lockern. Marco ging dann direkt Freitagabend mit ihr wieder in die Praxis, doch es ging nichts. Er erzählte mir dass Motti nur schrie, den Mund nicht öffnen wollte und panische Angst hatte. Sie versuchten sie zu beruhigen aber nichts konnte helfen. Also gab es nur eine provisorische Füllung und sie durften wieder nach Hause.Ich redet am Wochenende ganz ruhig mit ihr darüber und dass wir beide dass am Montag nochmal in Ruhe versuchen würden. Sie war einverstanden und ach am Montag morgen war noch alles gut. Doch dann kam der Termin.

Panik, Angst und Wut

In der Praxis angekommen saß sie im Wartezimmer auf meinem Schoß und zitterte. Man merkte ihr an das sie wütend war und wusste was auf sie zu kommt. Wir wurden aufgerufen und ich setzte mich gemeinsam mit Motti auf den Stuhl. Anfangs war alles noch sehr ruhig und gelassen. Wir versuchten ihr zu erklären dass wir den Zahn machen müssten und er sonst irgendwann weh tun könnte. Doch sie wollte den Mund nicht aufmachen. Die Zahnärztin durfte ihn sich zwar mal anschauen, aber etwas dran machen nicht. Irgendwann wurde auch ich nervös , da Motti immer weiter weinte und wirklich panische Angst hatte. Dann wurde der Ton irgendwann forscher und Motti noch angespannter. Es fielen Sätze wie “ nun stell dich nicht so an “ und “ das muss jetzt hier sein, halt mal still “ . Ich habe mich total hilflos gefühlt und wüsste nicht so recht was nun richtig ist. Einerseits wollte ich dass der Zahn gemacht wird und andererseits für Motti da sein.
Mit dieser Situation war ich total überfordert und habe einen Fehler nach dem anderen gemacht. In dem Moment stand ich auf der Seite der Ärzte und das bereue ich so sehr. Ich hätte für mein Kind da sein müssen , hätte sie unterstützen müssen und nicht das tun sollen was der Arzt sagt. Ich hielt sie fest und versuchte sie weiterhin zu beruhigen, doch nichts klappte. Dann stellte die Ärztin den Stuhl in die Liegeposition un wollte den Zahn schlafen legen, ihre Aussage. Doch Motti haute nach ihr und trat um sich. Und dann eskalierte es. Die Ärztin zog ihr das Tuch vom Hals, stellte den Stuhl und wurde laut. Das würde so nicht funktionieren, Motti würde sich ganz schlimm verhalten und sie bräuchte erstmal nicht wiederkommen. Ich entschuldigte mich auch noch und dann gingen wir nach draußen . In dem Moment war ich total wütend auf Motti und es war mir peinlich. Denn wieso verhält sie sich so ? Was sollte das ? Doch als wir Zuhause ankamen, merkte ich schnell dass das vollkommen falsch war. 

Ich schämte mich für mein Verhalten

Da saß sie nun, meine kleine Motti und weinte bitterlich in ihrem Bett. Sie schaute mich total vorwurfsvoll an, als ob sie wüsste dass das nicht richtig war. Als ich dann versuchte mit ihr zureden, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Wieso hab ich mich dazu hinreißen lassen , dass unbedingt durch zuziehen ? Warum hab ich das Ganze nicht einfach beendet , bevor es schlimmer wurde? Und wie konnte ich es zulassen dass man so mit ihr spricht ? Ich nahm Motti in den Arm und wir beide weinten so so sehr. Es tat mir so leid dass ich sie in dem Moment so im Stich gelassen hatte. Dass ich ihr nicht geholfen habe und sie nicht unterstützte. Sie lag in meinen Armen und ich entschuldigte mich. Dafür dass ich sie festhielt und ihr sagte dass müsse nun sein. Dass sie still halten sollte und sie keine Angst haben muss. Ja warum sollte sie keine Angst haben ? Was ist daran so schlimm ? Sie hatte eine schmerzhafte Erfahrung gemacht und dies nun mit Angst verbunden. Das war vollkommen okay und sie sollte Angst haben dürfen. Nachdem sie sich beruhigt hatte redeten wir nochmal ganz in Ruhe darüber und sie entschuldigte sich ebenfalls für ihr Hauen und Treten, doch sie hatte eben Angst wie sie sagte. 
Am Abend sprach ich mit Marco darüber und wir entschieden uns dazu, den Zahnarzt nun zu wechseln. Ich möchte niemanden an den Pranger stellen oder verurteilen. Es ist sicherlich schwierig in so einer Situation die Ruhe zu bewahren und gelassen zu bleiben. Doch auch als Arzt sollte ich dann merken wenn es Zeit ist das Ganze zu beenden bevor es eskaliert. Wir waren bisher immer sehr zufrieden dort und wie gesagt Motti hatte keinerlei Angst vorm Zahnarzt. Aber dieser Moment, diese über mein Kind stellen, hat mich echt traurig gemacht. Und auch jetzt laufen noch die Tränen wenn ich an den Tag zurück denke. Auch wenn es vielleicht beim nächsten Mal anders laufen würde, ich bekomme Motti in diese Praxis nicht mehr rein und ich kann es verstehen.

Wir versuchen nun unser Glück bei einem neuen Zahnarzt , den Motti auch noch von früher kennt und bei dem wir gute Erfahrungen gemacht haben. Dort riecht es nicht nach Zahnarzt, die Instrumente liegen nicht vor dem Patienten und die ganze Atmosphäre ist sehr entspannt . Mir wurden nun auch schon etliche Kinderzahnärzte empfohlen und dafür bin ich sehr dankbar. Ich berichte euch später dann gerne davon, wie es nun weiterging und ob Motti die Angst wieder verloren hat oder nicht . 

Habt ihr auch schon einmal solche Erfahrungen bei Ärzten machen müssen oder haben eure Kinder Angst vorm Zahnarzt ? Schreibt mir eure Meinung dazu gern hier in die Kommentare.

 

Alles Liebe,
Saskia

  1. Ohje ohje 😢 Gar nicht schön. Ich vermute die Ärztin hat eine Matrize benutzt. Das ist so ein Metallband was um den Zahn festgezogen wird um die Füllung richtig zu setzen und zu formen. Das tut selbst mir weh. Das Metall drückt halt ins Zahnfleisch, aber das ist wirklich nötig. Die Ärztin hätte ihr das erklären sollen, ihr Mut machen und vielleicht dich bitten dass du sie auf den Schoß nimmst. Vielleicht hätte man es auch vorher lokal betäuben sollen. Nicht mit ner Spritze, es gibt ja auch sicher so Betäubung die man aufpinseln kann damit es oberflächlich betäubt ist. Hätte ja schon gereicht.

    Ich hoffe sie hat nun keine bleibende Angst. Der Zahnarztwechsel ist auf jeden Fall eine gute Idee.

    Ich habe selber wegen schlimmen Kindheitserlebnissen heute schreckliche Angst vorm Zahnarzt. Es kostet mich wirklich enorme Überwindung. Ich würde alles lieber tun, als zum Zahnarzt zu gehen. Mir wird jetzt schon schlecht, wenn ich an meinen nächsten Termin nächste Woche denke. Ich blogge auch über meine Zahnarztangst und wie es jetzt läuft. Weil ich denke, dass ich ja nicht die einzige bin der es so geht.
    Ich hoffe ich hab diesmal den Mut mir die Zähne komplett machen zu lassen. Es sind schon genug kaputt und so gehts nicht weiter. Meine aktuelle Zahnärztin ist total lieb und in zwei Wochen hat der Große dort seinen ersten Termin. Ich bin gespannt wie es läuft.

    1. Ich habe selber ja auch eine ganz lange Zeit Zahnarztangst gehabt , es aber nie auf die Kinder übertragen.
      Sie waren auch immer dabei wenn ich einen Termin hatte. So hat Motti nie wirklich Angst entwickelt.
      Was aber jetzt passiert ist, hat bei ihr alles umgekehrt, leider 🙁

      Liebe Grüße
      Saskia

  2. Hui, das klingt so richtig richtig schlimm, da blutet mein Mama-Herz mit. Ich kann Dich aber auch gut verstehen, oft ist man von einer Situation so dermaßen überfahren, dass man sich nicht optimal verhält, man reagiert halt erst mal hilflos. Umso wichtiger und toll finde ich Eure jetzige Konsequenz. Wir haben echt tolle Ärzte, zum Glück hatten wir noch nie so eine Situation. Unsere beiden Kinderärzte (mussten wegen Umzugs 2013 wechseln) sind eben selbst Eltern und gehen auf die Kinder ein, sie kennen das eben selbst, und unser Zahnarzt ist dreifacher Papa, er ist kein spezieller Kinderzahnarzt, aber er ist ganz ruhig, besonnen und super super nett (und für mich relevant: kompetent). Da merkt man eben, wie geübt er im Umgang mit Kindern ist. Beim Augenarzt wollte der Mittlere (da noch Kleine) nicht mitmachen und da wurde auch keiner ungehalten. Ich wünsche Euch, dass die nächste Erfahrung besser wird!

  3. Liebe Saskia!

    Das macht mich wahnsinnig traurig, denn erst so entstehen Ängste. Auch ich bin als Kind an eine Zahnärztin geraten, die total unsensibel mir gegenüber war. Danach bin ich Jahre nicht mehr aus Angst zum Zahnarzt gegangen. Es wurde erst besser, als mir ein ganz lieber Zahnarzt das Vertrauen zurück gebracht hat. Nun gehe ich total entspannt ohne Ängste zum Zahnarzt. Mein kleiner Sohn hat das große Glück eine alte Klassenkameradin von mir als Zahnärztin zu haben. Sie ist so sensibel und hatte genau die gleichen Erfahrungen mit der besagten Zahnärztin gemacht. Genau deshalb hat sie diesen Beruf erlernt, einfach weil sie es besser machen wollte.

    Viele Grüße und der Motti alles Liebe, dass sie ganz bald die Angst wieder durch einen liebe(n) Zahnarzt(ärztin) verliert.

  4. Ach, fühl dich gedrückt!
    Mir hilft es sehr, vorher alle Eventualitäten durchzugehen, da meine Tochter noch nie beim Arzt kooperiert hat seit sie sich entsprechend bemerkbar machen kann.
    Ich rechne damit, dass ich sie in Schutz nehmen und vor Übergriffen schützen muss. Vielleicht hilft es dir, dich gedanklich darauf vorzubereiten, damit du besser für sie Partei ergreifen kannst 💛

  5. Ich find das ganz ganz mutig von dir, dass du das so schreibst Saskia! Fehler machen wir alle, diese auch zugeben und das auch noch öffentlich, ist etwas ganz anderes. Top!! :-*
    Die Sache an sich ist schon echt verzwickt. Ich kann dich total verstehen, dass du dich erst gar mitreißen lassen. Aber ich kann auch Motti verstehen, denn ich habe selber große Angst vorm Zahnarzt. Und wir haben bei uns ja gerade die Schwimmkurs Erfahrung hinter uns, die so ähnlich ist. Im Zweifel immer für die Kinder.
    Ich hoffe, ihr findet einen guten Weg für euch :-*
    Liebe Grüße,
    Janina

  6. Lotti und Tilda sind erst 3 und 2 Jahre und beim ersten Zahnarztbesuch haben sie auch sehr geweint, weil sie nicht wussten, was auf sie zukommt. Beim zweiten Besuch war alles toll. Keine einzige Träne. Sie lagen auf dem Stuhl und gaben oben an der Decke einen Film geschaut. Und Tage vorher habe ich inner wieder gesagt, dass sie nicht weinen brauchen, denn der Zahnarzt guckt nur, wie toll sie immer ihre Zähne putzen. Ich war danach sehr stolz. Wie es natürlich aussieht, wenn der Zahnarzt mal „Hand anlegen“ muss, weiß ich nicht.
    Alles Liebe euch!

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