Erziehung

Erziehung // Ehrgeizige Eltern – schraubt mal ein Gang runter

13/11/2017
Ehrgeizige Eltern - Kinder - Hobbys

Wenn ich andere Eltern kennen lerne, dann kommt öfters die Frage in welchen Vereinen meine beiden Mädels denn sind ? Was sie für Hobbys haben oder ob sie irgendwelchen Sport betreiben. Anfangs traute ich mich gar nicht zu antworte, da meine Kinder nichts machten. Sie mussten nach dem Kindergarten nicht zum Reiten, zum Tanzen oder zum Geigenunterricht. Wir waren keine dieser ehrgeizigen Eltern. Sie durften sich mit anderen Freunden verabreden, spielen und Kind sein. Ich wollte mich dabei immer ganz auf die beiden verlassen und auf ihre Wünsche hören. Irgendwann wollte Motti mit tanzen anfangen und das taten wir auch. So ging es jeden Montag gemeinsam mit ihrer Freundin Nachmittags zum tanzen und beide hatten jede Menge Spaß dran. Dann kam der Punkt an dem sie keine Lust mehr hatte und so entschieden wir uns dass ganze zu kündigen. Doch was nun ? Etwas neues finden oder einfach abwarten?

Kein voller Terminkalender

Wir machten erst einmal eine Pause und meldeten sie nirgends neu an. Sie hatte einen großen Freundeskreis und anstatt im Tanzkurs zu sein, verabredete sie sich mit ihren Freundinnen . Entweder hatten wir das Haus voller Kinder oder sie war zu Besuch bei anderen. Es war schön zu sehen wie viel Spaß sie daran hat und wie glücklich sie ist. Man merkte jedoch, dass das bei uns eher ein Einzelfall sein musste. Denn wenn Motti sich verabreden wollte, bekamen wir oft nur voller Terminkalender vorgesetzt . “ Oh nein da kann sie nicht, da hat sie Reiten“ oder “ Mhhh Mittwoch ist schlecht, da gehts zum turnen“ … Motti war jedes Mal total geknickt und wollte doch so gerne mit ihren Freunden spielen. Von ihr kam dann natürlich die Frage ob sie nicht auch irgendwas machen könnte. Man merkte aber dass es nur der Versuch war, Zeit mit ihren Freunden zu verbringen. Das machte mich irgendwie traurig und ich versuchte mein Bestes. Wir unternahmen viel und verbrachten viel Zeit zusammen. Doch das war ihre Freunde ihr bieten konnte, das konnte ich nicht. Klar sie hatte einige Freunde mit denen sie sich noch verabreden konnte , aber es wurde weniger. Wieso müssen Kinder in diesem Alter so viele Termine haben ? Wieso müssen sie täglich beschäftigt sein ? Klar sie sollen sich ausprobieren und Dinge testen, aber ist dieser volle Terminkalender wirklich auf ihrem Mist gewachsen ? Ich glaube nicht. 

Wenige Hobbys

Seit Motti nun zur Schule geht hat es sich auch bei ihr ein wenig geändert. Sie geht zum Kinderchor und am Wochenende zum Schwimmkurs. An beidem hat sie jede Menge Spaß und gerade der Chor bereitet ihr große Freude. Dort kann sie mit ihren Freunden zusammen sein, singen und Spaß haben. Sie macht es gerne und es kam voll und ganz von ihr. Sie wollte dorthin und sich ein Bild davon machen. Schon nach dem ersten Tag war sie total zufrieden und wollte wieder hin. Klar sie könnte jetzt auch noch die anderen Tage mit Aktivitäten füllen, doch das muss nicht sein. Sie wird 7 Jahre alt, geht zur Schule und ist eben noch ein Kind. Soll diese Kindheit genießen und auskosten können. Sie soll spielen dürfen, sich mit Freunden verabreden und eben einfach Kind sein dürfen. Ich finde dass eben dass bei manchen Eltern irgendwie ignoriert wird. Dort muss das Kind von Mo-Fr durchgeplant sein. Es soll musikalisch gefördert werden, sich aber auch sportlich betätigen. Am besten noch neben der Schule eine Fremdsprache lernen und voll und ganz auf die Zukunft vorbereitet werden. Aber warum das ganze ? Warum müssen Kinder so viel lernen. Das Leben beschert ihnen noch viel zu viele Termine. Massig an Verantwortung und Aufgaben. Lassen wir die Kinder einfach ihre Kindheit genießen.

Schraubt einen Ganz runter

Klar, es kommt auch auf die Kinder an und darauf ob sie es von sich aus wollen. Ich kenne Kinder die nicht ausgelastet sind und einfach Beschäftigung brauchen. Doch ich glaube nicht dass es auch hier 7 Tage die Woche sein müssen. 1-2 Aktivitäten die Woche reichen vollkommen und sind genug. Drillt eure Kinder nicht auf keine Perfektionisten. Lasst sie Kinder sein und ihnen ihre Kindheit. Schraubt einen Gang runter und nehmt alles ein wenig entspanntet . Eure Kinder wären es euch danken und sich sehr über ihre Zeit freuen. Es fördert die sozialen Kontakte und Bindungen zu anderen Kindern, zu ihren Freunden und ich kann nur aus Erfahrung sprechen, für uns ist es perfekt. Ich möchte keinem einen Vorwurf machen oder belehren, ich möchte nur auf etwas Aufmerksam machen .

Wie viele Aktivitäten machen eure Kinder denn ? Sind sie in Kursen angemeldet oder machen sie vielleicht gar nichts ? Lasst uns gern in den Kommentaren darüber sprechen.

Alles Liebe,
Saskia

Ehrgeiziger Eltern - Kinder - Kindheit

 

 

  1. Bei uns ist das ähnlich wie bei euch viele Freunde meiner großen haben viele Termine in der Woche. Meine große wollte immer nur Reiten, was aber bis zum Schulanfang dieses Jahr nicht möglich war auf Grund des Alters und der Größe. Nun darf sie 1x die Woche zum Reiten gehen und das machen wir sogar gemeinsam. Mehr ist bei uns nicht.
    Ich möchte auch nicht das sie etwas machen nur weil ich das gerne so möchte, sie sollen das tun weil sie es gerne wollen.
    LG Sabrina Suhaj

    1. Das ist eine tolle Einstellung wie ich finde. Irgendwann wird es vielleicht auch mehr wenn sie dann älter sind und ihre Interessen gefunden haben .

      Liebe Grüße
      Saskia

  2. Meine will von sich aus bis 16:00 im Kindergarten bleiben, am liebsten eigentlich noch länger – da bleibt eh nicht mehr viel Zeit für irgendwas. Wir haben Freitags um 15:30 turnen. Da ist sie früher immer gerne hin, in letzter Zeit will sie lieber im Kindergarten bleiben. Wir werden das also kündigen – waren schon 3 Wochen nicht mehr da. Sie möchte gerne tanzen gehen. Da gibt es in der Gegend für 3 Jährige aber nur einen Kurs der gleichzeitig mit dem Turnen ist. Aber im Januar wird sie 4 und da gibt es dann einiges – wir melden sie also vom turnen ab und gucken im neuen Jahr mal nach was wo sie tanzen kann – und will!

    1. Wie bei Mini. Sie hat genau aus diesem Grund jetzt einen Ganztagsplatz. All ihre Freunde gehen bis 16 Uhr in den Kindergarten , nur sie hab ich immer früher abgeholt. Nun geht sie seit Anfang November länger und ist so glücklich damit. SIe hat übrigens noch keine Hobbys und möchte auch nichts machen 🙂

      Liebe Grüße
      Saskia

      1. Wir hatten bis Sommer einen Mittagsplatz. Ich hab jeden Tag ein total unglückliches Kind abgeholt. Turnen war auch nur weil ihre Krippen Kumpel da hin sind und sie mit wollte – davon ist aber auch nur noch einer da, wahrscheinlich mag sie deswegen nicht mehr… Mal gucken ob ihr tanzen nächstes Jahr gefällt, wenn nicht – dann eben nicht. Ich hatte als Kind auch nicht viele Aktivitäten, ich war auch lieber mit Freunden zusammen.

  3. Liebe Saskia, du hast es wirklich auf den Punkt gebracht! Unser Toni ist jetzt 4 1/2 und er hat alle 2 Wochen bei uns im Dorf Gruppenstunde und das wars. Er hat sich einige Wochen Trampolin springen angesehen und auch fleißig mit gemacht, wollte dann aber nicht mehr. Ich finde sie sollten Kinder sein und bleiben… Freunde sind tausendmal mehr wert 😊 LG Eva
    Instagram: Life.of.family.m

  4. Ich finde hier einige Kommentare zu pauschal. Nebenbei, Verabredungen mit wichtigen Freunden, wo meine Kinder drauf wert legen, klappen immer. Der Große geht Morgen nach der Schule mit zu seinem Freund, zum Harfenunterricht um die Ecke geht er von dort und dann dahin zurück, wenn sein Freund mag, darf er mit. Unser Großer ist so ein Actionkind, er trifft gerne Freunde und spielt, aber ihn interessieren so viele Sachen. Es fing alles mit 5 mit Fußballschule an, damals hatte er auch noch Turnen. Fußballschule hat er immer noch, mit 3 seiner Freunde zusammen. In der 1. Klasse wollte er dann zum von der Schule angebotenen Gitarrenunterricht. Inzwischen wurde es auf seinen Wunsch hin Einzelunterricht. Seit Frühling kam Harfe dazu, wir wollten eigentlich, dass er sich entscheidet, sein Herz hängt an beidem. Dazu macht er Kurse an der Junioruni, weils ihm als kleinem Nerd so viel Spaß macht. Da ist es auch eher unser Bestreben, dass er weniger macht. Av Januar kommt eine Weile Schwimmen dazu, weil er leider immer noch nicht Schwimmen kann. Der Mittlere hat Musik vom KiGa, hat Fußballschule mit seinen Freunden und turnt mit einer Freundin und sein großer Wunsch ist nun auch Harfenunterricht. Sollen wir das verbieten? Sie sind nicht in Betreuung und haben Zeit und Spaß. Wenns so tolle Angebote wie Junioruni früher gegeben hätte, hätte ich bestimmt auch Kurse gemacht. Ich hatte Judo und Musikunterricht und finde es eher doof, dass meine Eltern nicht hinterher waren, dass ich mehr Sport mache, es hiess nur, wir seien unsportlich, statt das zu Fördern. Über den Musikunterricht hab ich auch gebloggt. Die Freundin des Großen hat übrigens 3x die Woche Ballett, weil sie Tanzen so liebt. Auf ihren eigenen Wunsch.

  5. Ich finde der Artikel trifft es auf den Kopf! Kinder brauchen zuallererst Zeit für freies Spiel – alleine und mit anderen Kindern. So können sie sich frei entwickeln und alles wichtige lernen. Ausserdem brauchen sie Gelegenheit, den Eltern oder anderen Erwachsenen bei Alltagstätigkeiten über die Schulter zu schauen und mitzuhelfen. Wenn die Kinder es von sich aus unbedingt wollen, können sie dann ja noch den ein oder anderen Kurs machen. Aber ich schaue da wirklich auch, dass es nicht zu viel wird. Das Leben der Kinder (und von uns Eltern) ist doch schon verplant genug …

  6. Ich finde es richtig gut, dass auch heute noch Kinder Kinder sein dürfen. Ich hab von der 2.-5. klasse Blockflöte gespielt, 7.-9 klasse dann eine AG in der Schule und 10. klasse waren es 3.
    ja, ich wollte zwischendurch mal dies und das, meistens aber nicht auf Dauer und doch meistens lieber frei spielen oder Workshops machen.
    Das werde ich bei meinen Kindern auch so machen – was von ihnen gewollt wird, wird so weit wie möglich ermöglicht. Allerdings nur in einer dem Alter und Kind angemessenen Menge, denn egal wie sehr es gewünscht wird – Freispiel ist grad bei jungen Kindern unglaublich wichtig.

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