Landmama

Stadt oder Land // Landmama Sissy beantwortet meine Fragen

10/05/2016
Weiter geht´s mit meiner Stadt oder Land Reihe. Dieses Mal zieht es uns aufs Land und die liebe Sissy von Abenteuer Großfamilie hat mir all unsere Fragen beantwortet. Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen und ihr werdet genauso wie ich schon in der ersten Zeile staunen 😉 
Also los geht´s ….


Großfamilienleben im schönen Oberösterreich


1. Wo Lebst du und mit wem?

Ich bin Sissy, 31 Jahre alt und lebe mit meinem Mann Ralf (36) und unseren 6 Kindern: Leonardo 11, Paolo 10, Giuliana 8, Alessandro 6, Luca 4 und Elena 1. in einer kleinen 2000 Seelengemeinde (Mehrnbach) in Oberösterreich. Die nächste Kleinstadt ist 10 Min mit dem Auto entfernt, die nächsten Großstädte sind Passau und Linz und dahin brauchen wir etwa 40-50 min mit dem Auto. Bis vor Kurzem lebten hier auch noch 3 Hunde und eine Katze, die aber aufgrund unserer geplanten Weltreise jetzt ein ganz tolles neues zu Hause gefunden haben.

      2. Wo seid IHR als Kinder aufgewachsen?

Da trifft bei uns Landei auf Stadtplflanze 😀
Aufgewachsen bin ich mit Mama, Stiefpapa und einer kleinen Schwester in einer kleinen Siedlung am Rande einer Kleinstadt ( Hohenstein-Ernsthal) in Sachsen. Wir hatten da ein kleines Häuschen mit großem Garten, Hund und Katzen. 2 Minuten entfernt von einem Wald in dem wir häufig unterwegs waren. Zur Schule und ins Stadtzentrum hatte ich 30 min Fußweg hinter mich zu bringen. Außerdem habe ich sehr viel Zeit bei meiner Oma die im Nachbardorf verbracht, wo das Leben dann noch mal etwas ländlicher war. Die Nachbarin hatte einen großen Bauerhof wo wir dann immer Tiere streicheln oder auf dem Heuboden herumtollen konnten.
Mein Mann ist hingegen eine Stadtpflanze, er ist in einer Wohnung mitten im Stadtzentrum von Chemnitz aufgewachsen, ebenfalls mit einer Schwester. Hier war einfach der große Vorteil, dass einfach alles fußläufig erreichbar war. Er hat fast jedes Wochenende bei seinen Großeltern auf dem Dorf verbracht und konnte so auch etwas Landleben genießen 😀

      3.Wohnt ihr schon immer auf dem Land und wie seid ihr auf die Idee gekommen dort hinzuziehen?

Mich hat das Studium in die große Stadt gezogen und ich habe das Leben da sehr genossen. Dann kamen recht bald Kind 1 und 2 und wir wohnten in einer 4-Raum-Wohnung im Stadtzentrum. Da hatten wir aber bereits schon den Wunsch eines Häuschens mit Garten. Bei meiner Oma, wo ich jede Donnerstag war, war so ein Nachmittag einfach viel entspannter wie auf dem Spielplatz. Das wir dann recht schnell auf dem Land gelandet sind, war keine bewusste Entscheidung, sondern hat sich aus der Situation heraus ergeben: Als unser 2.Kind 4 Monate alt war, bekam mein Mann ein Jobangebot aus Österreich und wir sind dann im Sommer 2006 von Chemnitz nach Österreich gezogen und hier ist es einfach fast überall sehr ländlich. Wir haben das aber sehr genossen, weil man nicht immer erst irgendwo hingehen musste, um den Kindern das Spielen draußen zu ermöglichen, man steht einfach direkt im Grünen. Als sich unser 3. Kind ankündigte,  haben haben wir dann ein Haus mit Garten gemietet und das war einfach schön. Man konnte von da aus direkt in den Innauen spazieren gehen oder Rad fahren. Leider hatten wir einen kinderfeindlichen Nachbar so dass wir dann 2009 unser Haus gekauft haben (ohne direkte Nachbarn 😉 ). In der Stadt oder stadtnah wäre ein Haus für uns nicht leistbar gewesen, daher sind wir hier im Dörfchen gelandet.   



      4.Wieso ist das Land leben für dich etwas Besonderes?

Dazu möchte ich jetzt einfach kurz eine Geschichte erzählen :
Es ist Montag morgen, wir sind übers Wochenende in die alte Heimat gefahren um die Verwandten zu besuchen und haben spontan einen Tag verlängert. Ich rufe natürlich früh in Schulen und Kindergarten an um Bescheid zu geben. Dummerweise hatte ich die Nummer der neuen Busfahrerin nicht dabei und konnte sie nicht informieren. Um 7:40 klingelt mein Handy : „Was ist bei euch los? Gehts euch gut, soll ich dir die Kinder schnell noch fahren?“  Das war meine „Nachbarin“ die sich gleich gesorgt hat, weil wir sonst immer zuverlässig sind.  Ihr Sohn steigt nach meinen Kindern in den Bus ein und so konnte unser Fehlen auch gleich mit der Busfahrerin geklärt werden. Hier wird einfach aufeinander aufgepasst und die Hilfsbereitschaft finde ich auch ganz toll.
Ansonsten mag ich es einfach naturnah. Wir haben ein Grundstück ohne direkte Nachbarn, umringt von Feldern und es ist einfach wahnsinnig schön wenn hier Rehe vorbeilaufen oder Hasen vorbei hoppeln. Die Kinder staunen wenn der große Traktor vorbeifährt und freuen sich über alles was wir im eigenen Garten ernten. Außerdem ist die Luft einfach viel besser, es ist nicht so laut und hektisch. Wir verbringen einfach ganz viel Zeit draußen. Terrassentür auf und schon spielt sich viel vom Alltag draußen ab – vom Frühstück bis zum Übernachten im Zelt geht einfach alles unkompliziert im eigenen Garten.

      5. Wie gestaltet ihr euren Alltag?

Unser Alltag gestaltet sich unkompliziert. Hier gibt es Kindergarten- und Schulbusse, die die Kinder direkt zu Hause abholen und auch wieder nach Hause bringen. Das erspart schon mal eine Menge Fahrerei die gerade ich als Großfamilienmama sonst hätte. Zum Einkaufen muss man natürlich immer das Auto bemühen, aber das würde ich für einen Großfamilieneinkauf wohl sowieso machen. Zu den Hobbies der Kinder muss ich auch das Auto, ganz klar und so sind die Nachmittage unter der Woche dann auch ziemlich gefüllt mit Fahrten zum Judo, zur Musikschule usw. Dennoch bin ich froh, dass es hier ein gutes Angebot für die Kinder gibt und die Fahrten eben nur 10-15 min in Anspruch nehmen. Auch im Alltag bin ich immer wieder dankbar für den eigenen Garten, weil ich unter der Woche kaum Zeit hätte in den Wald zu fahren oder zum Spielplatz, so steht der eigene Spielplatz einfach täglich zur Verfügung. Gerade wenn die Großen Hausübungen machen und meine Hilfe brauchen ist es toll, wenn die kleinen draußen im Trampolin hüpfen, Rad fahren oder in der Sandkiste buddeln können.
      6.Was unternehmt ihr auf dem Land so am Wochenende?

Wir gehen gern wandern oder Rad fahren, haben wir mal ein langes Wochenende kommen die Großeltern zu Besuch oder wir fahren nach Chemnitz zur Familie. Auch Besuche von (Kinder-)Theater und Museum stehen hin und wieder mal auf dem Plan. Ansonsten sind wir auch gern mal einfach nur zu Hause und genießen es mal nichts zu tun bzw genießen die Kinder dann mal frei zu haben, da unsere Woche ziemlich gut gefüllt ist. Die Größeren treffen sich mit Freunden oder wir machen zu Hause ein Lagerfeuer mit Stockbrot.
     

      7.Würdet ihr lieber woanders wohnen?

      Ja, wenn ich die Wahl hätte dann am Meer und in einem Land in dem es keinen Winter gibt. Aber das wird ja die nächsten 4 Monate Realität für uns.

      8. Würdet ihr auch in die Stadt ziehen?

An den Stadtrand mit eigenem Haus und Garten auf jeden Fall. In eine Wohnung im Stadtzentum würde ich momentan nicht ziehen. Vielleicht wenn die Kinder mal größer sind, aber momentan wäre mir das mit 6 Kindern echt zu anstrengend für jede außerhäusliche Aktivität erst mit Sack und Pack irgendwo hin gehen/fahren zu müssen.

      9.Was würdet ihr euch Wünschen, was fehlt euch?

Wenn sich das jetzt rein auf Stadt oder Land bezieht wäre vielleicht ein kleines Geschäft im Ort nicht schlecht, wo man mal schnell ein Kind hinschicken könnte oder zu Fuß schnell etwas besorgen könnte und eben nicht wirklich immer ein Auto brauchen würde. Sonst ist das ganz klar die Familie, 450 km fährt man nicht mal eben, schon gar nicht wenn Oma und Opa noch voll berufstätig sind.

      10.Würde ihr euch wieder dafür entscheiden dort zu wohnen?

Das ist schwer zu beantworten,  ich würde auf jeden Fall wieder ländlich wohnen wollen, auch  das Land Österreich empfinde ich als viel familienfreundlicher als Deutschland. Dennoch finde ich man merkt, dass man zugezogen ist und einfach nicht zum Urgestein gehört. Hier kennt halt jeder jeden und das schon seit Generationen und da ich als 6 fach Mama die bis vor kurzen noch studiert hat und einen Mann hat, der beruflich nicht so oft zu Hause ist, da ist das mit der richtigen Integration zeitlich schwierig gewesen. Ich konnte abends nicht immer mit weggehen oder an Mamatreffen am Abend teilnehmen, da ich keine Familie in der Nähe habe, bei der ich meine Kinder abgeben kann. Dennoch haben wir natürlich auch einige ganz liebe Menschen kennengelernt, wie die oben beschriebene Nachbarinnen. In der Stadt schließt man da, finde ich zumindest, schneller und unkomplizierter Kontakte. Liegt aber vielleicht auch daran das ich im Schnitt viel jünger bin als die meisten Mamas hier und wir einfach einen ganz anderen Alltag leben und uns ganz andere Themen beschäftigen.
Ansonsten ist es landschaftlich hier nicht ganz so ansprechend/besonders. Die Berge, Seen und Naturschutzgebiete die ich so gern mag, sind alle min 1 Stunde Fahrt entfernt und wenn ich nochmal die Wahl hätte würde ich näher in so eine Region ziehen – aber das sind jetzt natürlich perfektionistische Kriterien:D



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Liebe Sissy,
als aller erstes möchte ich dir sagen dass ich großen Respekt vor dir habe. Sechs Kinder sind wirklich toll und ich finde es wahnsinnig spannend. Ich kann es sehr gut nachvollziehen wie schön es ist auf dem Land zu leben und auch deine kleine Geschichte war wirklich schön 🙂 Ich finde es wichtig wenn man sich mit seinen Nachbarn gut versteht und vor allem wenn untereinander eine Hilfsbereitschaft vorhanden ist.
Danke für deine Antworten und ich wünsche Dir und deiner Familie alles Liebe und Gute für die Zukunft.

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