Gedanken | Toleranz

Gedanken // Hört doch mal auf mit dem Scheiß

17/08/2017
Es ist Sonntagabend und ich sitze vor meinem Handy und stöber in den verschiedene Social Media Plattformen umher. Ich finde witzige Videos, tolle Fotografien bekannter Fotografen oder ein neues Video von einer YouTube-Familie. Ich verfolge vieles und freue mich jedes Mal wenn ich etwas schönes dort zusehen bekommen. Doch was mir nicht gefällt sind diese ständigen Hasspostings. Diese Postings in denen es nur darum geht dass die Nachbarin gerade etwas gemacht hat, was Frau XYZ mega kacke findet. Es wird sich in dem Beitrag wahnsinnig über die Situation aufgeregt und die Frau mit wirklich bösen Worten abgestempelt. Im nächsten Beitrag ist ein Foto einer Frau zu sehen, die ihr Kind stillt. Ein so liebevolles Foto, mit so viel Wärme und Geborgenheit und trotzdem findet man sie auch dort. Die Hasskommentare oder besser den sogenannten Shitstorm. Kommentare wie “ Boah wie eklig “ oder “ Jaja die Supermamas wieder “ . Oder es kommen eben Kommentare wie “ Eine Flaschenmama ist genau so gut wie eine Stillmama“ .  Doch es geht in diesem Beitrag nicht ums Stillen oder nicht stillen. Es geht darum dass anscheinend keiner mehr dem anderen sein Leben lässt wie er es für richtig hält. In einem anderen Beitrag wird über den schrecklichen Verlust meiner Bloggerkollegin Maggy von Mamamulle berichtet. Darüber dass sie im Brautkleid vor dem Grab ihres Mamas steht und dies auf ihren Social Media Kanälen mit der Welt teil´t. Auch hier kommen diese bösen Kommentare und ein unendlich trauriges Bild wird zerrissen . Ist es nicht scheiß egal wie ein Mensch mit seiner Trauer umgeht ? Ist es nicht egal ob diese Person ein Bild mit der Welt teilt, einen Blogbeitrag dazu schreibt oder ein Video veröffentlicht ? Und selbst wenn sich diese Person mitten auf den Marktplatz stellt und all ihre Trauer raus schreit, dann ist das eben so. Keiner würde den Arsch in der Hose haben und zu dieser Person hingehen und sagen “ boah muss man das ?“ “ kannst du das nicht für dich behalten ?“ Nein es würde keiner tun. Jeder Mensch geht mit Trauer anders um und das ist sein gutes Recht.

Wenn ich solche Beiträge auf Facebook oder Instagram sehen, dann lese ich die Kommentare schon oft nicht mehr. Ich schaue mir den Beitrag, das Foto oder das Video an und bilde mir meine ganz eigenen Meinung. Wie im realen Leben eben. Ich lerne jemanden kennen und bilde mir nach einer Weile meine ganz eigene Meinung zu dieser Person Doch in der großen Welt des Internets gibt es das anscheinend gar nicht mehr. Jeder fühlt sich sicher hinter seinen Bildschirm und erfreut sich daran über andere her zu ziehen. Das es in der Welt der Blogger ähnlich abgeht hab ich ja schon öfter erzählt und dass mir dort das viel schönere Miteinander anstatt Gegeneinander fehlt, wisst ihr auch. Doch es wird sich glaube ich nie ändern. Jeder möchte schneller, höher, weiter als alle anderen und wenn es sein muss eben über andere. Über deren Gefühle, deren Kosten hinweg. Und genau das macht mich wütend. Und es stellt mir ganz oft die Frage ob diejenigen es ihren Kinder genau so vorleben . Denn für sie scheint so ein Verhalten ja ganz normal zu sein. Es ist normal andere Steine in den Weg zu legen um selber voran zu kommen. Es ist egal ob man gegen die Mama vorgeht, die ihr Kind in der Öffentlichkeit stillt oder die Mama die sich lieber dagegen entschieden hat. Vollkommen egal ob man eine völlig fremde Person öffentlich im Internet beschimpft, nur weil sie ein Bild gepostet hat, was nicht mit meiner Meinung übereinstimmt. Und alle anderen feigen Menschen liken was das zeug hält. Ist das nicht schrecklich ? Ist es nicht eine gruselige Vorstellung ? Ich persönlich, nein besser gesagt Marco und ich versuchen unsere Kinder so tolerant wie möglich zu erziehen. Ich möchte dass sie wissen dass egal was sie machen, es für uns in Ordnung ist. Das egal wofür sie sich irgendwann mal entscheiden, wir hinter ihnen stehen und sie sich nicht ausgegrenzt fühlen sollen. Sie sollen sich frei bewegen können, sollen glücklich sein und das real wie digital. Doch ich habe auch ein riesen Schiss davor. Davor das meine Kindern irgendwann einmal gemobbt werden, sie im Internet mit Shitstorm zu kämpfen haben und darunter leiden müssen. Doch ich werde es vielleicht nicht verhindern können aber ich kann ihnen jetzt schon dabei helfen. Ich vermittel ihnen Selbstvertrauen, Respekt und ganz viel Toleranz. Auch jetzt schon treffen wir oft auf Situationen in denen mich die Mädels Dinge zu anderen Personen fragen. Fragen wie “ Warum ist der Mann so? “ oder “ Wieso hat das Kind noch einen Schnuller Mama ?“ . Ich könnte mich dann hinstellen , so wie es manchen wirklich tun und schlecht gegen den Mann, die Mama oder die Person reden aber das tu ich nicht. Ich erkläre ganz vernünftig wieso weshalb warum. Wenn das Kind noch einen Schnuller hat dann ist das so . Dann ist es für das Kind und für die Mama vielleicht ganz wichtig oder eine Hilfe und dann darf das auch so sein. Oder es ist Bequemlichkeit oder ein anderer Grund aber das hat mich nichts anzugehen. Meine Kinder dürfen alles fragen und ich versuche so gut es geht zu antworten. Doch ich käme nie auf die Idee jemanden mit meiner Antwort zu verletzen.

Es ist nicht mein Leben. Es ist das Leben einer mir fremden Person und für diese eben die richtige Art und Weise. Nicht ich habe darüber zu urteilen oder es ihr aufs Brot zu schmieren. Ich weiß dass einige Menschen in meinem Umfeld dass was ich mache auch nicht zu 100% gut finden und das ist ihr gutes Recht , aber ich weiß auch das diese Personen mich dafür nicht verurteilen. Sie akzeptieren es, tolerieren es vielleicht nicht aber lassen mein Leben meins sein. So wie ich sie ihr Leben leben lasse. Ich mag mich nicht hinstellen, mit dem Finger auf Personen zeigen und sie verurteilen. Jeder hat seine Gründe wieso man etwas tut, sagt oder sonst was. Leben und leben lassen 😉

Mehr Toleranz, mehr Verständnis und mehr Zurückhaltung

Das sind die Dinge die ich mir für die Zukunft meiner Kinder wünsche. Ich wünsche mir dass die Menschen, bevor sie über andere urteilen, erst einmal in den Spiegel schauen. Sich anschauen und sich fragen ob sie nicht auch schon einmal in so einer Situation waren. Ob sie nicht auch schon Fehler gemacht haben oder manche Dinge hätten anders machen können. Es darf nicht darin enden dass wir Spaß daran haben böse Kommentare zu schreiben oder jemanden öffentlich schlecht machen. Für unsere Kinder kann es kein Gefallen sein, wenn wir ihnen vorleben dass man nur voran kommt, wenn man andere schlecht macht. Und solltet ihr nach diesem Beitrag ein Bild auf Facebook sehen, unter dem ihr sonst einen eher unfreundlichen Kommentar geschrieben hättet, schreibt nichts. Denkt daran ob ihr der Person dass auch zu 100% so ins Gesicht gesagt hättet, obwohl ihr sie gar nicht kennt.
Denkt darüber nach wie oft ihr schon einen Fehler gemacht habt oder gewisse Dinge anders macht als andere. Aber urteilt nicht einfach über Menschen, die ihr nicht kennt. Mit nur einem Wort, mit nur einem Satz, kann man manchmal mehr kaputt machen als man denkt.
 

 

Alles Liebe ,
Saskia

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