Erziehung | Ratgeber

Ratgeber // Meine Suppe esse ich nicht

12/02/2017
Kullakeks-Leben-Selbstbestimmtes Essen-Erziehung-Erfahrungen

„Bevor dein Teller nicht leer ist, gibt es auch keinen Nachtisch“ 

 
 Ich glaube diesen Satz hat jeder von uns schon einmal gehört oder? Auch in meiner Kindheit war es so und schon damals fand ich es schrecklich. Auf dem Teller war einfach viel zu viel Essen für mich und nur weil ich sage ich bin satt, freute sich mein kleiner Magen wahnsinnig auf den Nachtisch. Doch nicht immer hat man ihn bekommen, man hatte ja nicht aufgegessen. Ich will jetzt hier nicht meine Eltern an den Pranger stellen oder sie dafür verurteilen, denn es war zu der Zeit einfach irgendwie Gesetzt und es haben ja alle so gemacht. 

Dann kam der Zeitpunkt an dem man selber Kinder hatte und sich mit diesem Thema auseinander setzen musste. In der Stillzeit war das Ganze natürlich noch kein Thema. Sagte man ja auch nicht zum Baby „ Na na also die Brust bitte schön ganz leer trinken sonst gibt’s kein Spielen später“ 😉 Nein man lässt das Kind entscheiden wie viel es essen möchte und wann es satt ist. Als es dann in die Beikost über ging war es auch noch recht einfach, denn das Kind sollte sich ja erst einmal ans „richtige Essen „ gewöhnen. Bei Motti hatte ich mich mit dem Thema Fingerfood noch nicht so ausgiebig beschäftigt und hatte um ehrlich zu sein auch ein wenig Angst davor, dass sie sich ggf. verschlucken könnte. Also fingen wir bei ihr mit Brei an. Und selbst dort fiel mir immer wieder auf dass ich in die gleiche Richtung wanke, die auch meine Eltern damals einschlugen. Man spielte Flugzeug, da das Kind den Anschein machte als möchte es nicht mehr essen. Mit allen Mittel versuchte ich ihr den einen Löffel noch schmackhaft zu machen, jedoch meist vergeblich. Dass Motti einfach keinen Hunger mehr hat und es nicht verweigert weil sie es nicht mag, das kam mir zu dem Zeitpunkt nicht in den Sinn. Dann irgendwann stieß ich auf das Thema mit dem Fingerfood und war begeistert. Am nächsten Tag machte ich mich gleich auf den Weg und kaufte Unmengen an frischen Gemüse. Es wurde alles zubereitet und ich setzte mich mit einer kleine aber feinen Gemüseauswahl vor mein Kind. Sie probierte alles ganz genau und schnell stellten wir fest , Brokkoli ist so gar nicht ihr´s. Kartoffeln, Möhre, und sogar Pastinake war voll und ganz ihr Geschmack. Und was mir besonders auffiel, sie putzte komplett alles weg. – Naja außer den Brokkoli J  Ab dann an gab es für Motti keinen Brei mehr und sie bekam all das , was auch wir auf den Tellern hatten. Als dann der Mini unterwegs war, stand direkt fest dass auch sie sich im Laufe der Zeit am Fingerfood probieren darf. Mit 9 Monaten ging es dann so nach und nach los und ihr absoluter Favorit war Brokkoli. Die Schwester hasst es und der Mini liebt es. Auch sie putzte so gut wie immer ihren Teller leer und wir ermutigten sie nie, vielleicht doch noch mehr zu essen. Nebenher wurde sie immer noch gestillt und das bis 3 Monate vor ihrem 2. Geburtstag.
 

Selbstbestimmung auch beim Essen

Doch irgendwann gerieten auch wir in dieses Muster und ermahnten unsere Kinder zum „Aufessen“ . Doch was bewirkt das überhaupt? Bei unseren beiden ist mir aufgefallen, dass sie anfingen gewisse Dinge plötzlich nicht mehr essen zu wollen. Mini, die bis dahin wirklich alles gegessen hatte, fing an zu blockieren. Dinge die sie vorher „liebte“ rührte sie erst gar nicht mehr oder stocherte nur so drin rum. Und Motti, gut sie war schon immer recht wählerisch und ich schiebe dass ein wenig auf die anfänglich Breizeit ( was von Kind zu Kind verschieden sein kann ) aber bei ihr wurde es dadurch noch viel schlimmer. Es gab 2-3 Sachen die sie immer gegessen hat aber das war´s auch. Es stellte sich eine Art Standartessen bei beiden ein und das konnte so nicht weitergehen. Doch wie sollten wir da wieder raus kommen? Es war wie verhext und ist es hin und wieder heute noch. Gerade bei Motti ist es wirklich schwierig und wenn dort auf dem Teller etwas liegt was sie nicht mag, dann blockiert sie so dass sie den Rest auch nicht mehr essen möchte. Ich könnt es euch so vorstellen , dass wenn wir Gemüse, Fleisch , Kartoffeln und Soße haben, Motti nur Kartoffeln und Soße isst. Ich habe damit auch kein Problem aber mein inneres stures Mamamonster, hätte es lieber anders. Ich hätte es lieber sie würde auch die anderen Sachen essen und nicht nur ihr Standardprogramm. Doch da kommen wir schon zum Punkt, den ich ändern möchte. Wir versuchen unseren Kindern in allen Wegen eine gewisse Selbständigkeit beizubringen und nun auch beim Essen. Ich habe es eine Zeitlang so gehandhabt dass sie, wenn das Essen fertig war, sie sich ihres selbst auf den Teller machen, nur das drauf tun was sie möchte und der Druck so ein wenig rausgenommen wurde. Der Mini fing wieder an alles zu essen bzw. wenigstens zu probieren. Und Motti putzte plötzlich ihren kompletten Teller leer. Ohne dass man sie darauf hinwies und zu unserer Überraschung, sie wollte sogar Nachschlag.
Ich bemerkte einfach dass das genau der richtige Weg ist und auch wenn ich in letzter Zeit wieder hin und wieder in der alte Muster zurückfiel, möchte ich es ab nun wieder lockerer angehen.
 
 

Darf´s noch Nachtisch sein

Um auf den ersten Satz mit dem Nachtisch zurück zu kommen möchte ich auch hier einiges ändern. Unserer Mädels sind bis Mittags im Kindergarten. Sie toben dort, sind draußen, spielen , basteln und malen. Das alles ist anstrengen und fordert die kleine Körper enorm. Doch nicht immer steht sofort das Mittagessen auf dem Tisch. Oft versuche ich es, doch auch ich habe hin und wieder mal Termine und schaffe es einfach nicht rechtzeitig. Und es passiert immer wieder, dass wir nach Hause kommen und die Mädels nach einem Joghurt fragen. Bis vor kurzen war dann meine Antwort „ Wir essen erst Mittag und dann gibt’s Joghurt“  Aber warum???? Ich sag´s mal so : Wenn ich selber Hunger auf einen Joghurt habe, dann hol ich ihn mir.
Und da ist es egal ob ich vorher was gegessen habe oder danach. Klar ist der Begriff Nachtisch darauf bezogen dass es nach dem Essen ein kleines Extra gibt aber ist das ein Muss? In meinem Kopf schwirrte dann immer der Gedanken dass es passieren könnte, dass die beiden ihr Essen dann nicht mehr anrühren aber das Gegenteil ist eingetroffen. Die beiden haben danach sogar gut gegessen. Man kann es jetzt übertrieben nennen aber ich habe für mich beschlossen dass ab jetzt der Nachtisch im unserem Zuhause nicht mehr existiert. Jeder darf sich sein Essen selber zusammenstellen , jeder darf gerne auch vor dem Essen einen Joghurt essen ( Ja ich spreche von Joghurt und nicht von Süßigkeiten ) und aufessen muss auch keiner.  So …. 🙂
 
Ich erhoffe mir dadurch, dass das Thema Essen einfach wieder entspannter ist und gerade Motti dadurch vielleicht auch wieder Freude an anderen Lebensmitteln findet. In der letzten Zeit habe ich mir wirklich viele Gedanken darüber gemacht und auch viele Artikel, Erfahrungsberichte und Meinungen dazu gelesen und die Mehrheit spricht im positiven davon. Wie es sich auf längere Sicht bei uns entwickelt dass werden wir sehen aber ich bin gespannt und optimistisch.
 
 
 
Wie läuft es denn bei euch? Selbstbestimmtes essen, ein „Nachtisch“ auch mal vorher oder konsequent? Ich bin gespannt auf eure Sichtweisen und Erfahrungen.
 
 
Alles Liebe,
Saskia
 

 

 

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