Familienleben | Mama sein

Mama sein // Und manchmal denk ich an dich

14/09/2017
Fehlgeburt, Verlust,

Wir haben zwei gesunde Kinder. Zwei wunderschöne Mädchen die unser Leben nicht schöner machen könnten. Doch vor den beiden hätte es schon ein Kind gegeben. Denn bevor sich Motti auf den Weg zu uns gemacht hat, war ich schon einmal schwanger. Wir wollten ein Kind. Wir waren bereit dafür und haben uns beide unendlich doll darauf gefreut. Mir ging es super in den ersten Wochen und alles verlief bestens. Doch dann kam dieser Tag , der mir heute noch in den Knochen steckt. Ich muss sogar gestehen dass ich ab und zu von diesem Tag träume. Denn ich hatte eine Fehlgeburt und für mich was dieser Tag einer der schlimmsten meines Lebens. Ich weiß noch wie hilflos ich mich gefühlt habe und wie sehr ich die Entscheidung zur Ausschabung heute bereue. Heute möchte euch von meiner Erfahrung berichten, was mir einerseits gut tut, andererseits aber auch sehr schwer fällt.

Wenn die Erinnerungen wieder kommen

Ich war in der 9. Woche und kurz vorm Wechsel in die 10. Woche. Der letzt Arztbesuch lag nur wenige Tage hinter mir und ich war so happy dass es dem kleinen Zwerg gut ging. Abends ging ich mit leichten Ziehen ins Bett aber laut Ärztin ist dieses vollkommen normal gewesen, da ja nun alles anfängt zu wachsen. Auch die Nacht war gut , doch morgens wachte ich mit einem komischen Gefühl auf. Direkt beim aufstehen bemerkte ich es. Das Bett war voller Blut und das Ziehen war nicht mehr da. Ich weckte sofort Marco, wir riefen eine Freundin an und machten uns auf den Weg ins Krankenhaus. Denn leider hatte genau an dem Tag mein Frauenarzt geschlossen. Im Krankenhaus angekommen wurde ich lieb empfangen und direkt ins Untersuchungszimmer gebracht. Bis dahin war für mich noch alles in Ordnung. Es waren bestimmt nur Blutungen, die ja vorkommen können aber nichts bedeuten müssen. Ich ging ins Zimmer, gab Marco noch einen Kuss und lies ihn zurück. 

Schon bei der Untersuchung achtete ich genau auf den Gesichtsausdruck der Ärztin. Und dann kam dieser Satz – „Ich muss ihnen leider sagen dass dort nichts mehr zu sehen ist „

Ab diesem Moment liefen mir nur noch so die Tränen. Ich zog mich wieder an und ging zurück zu Marco. Schon als ich raus kam wusste er bescheid und wir fielen uns nur in die Arme. Ich war so traurig, so unfassbar traurig. Wieso passierte mir das ? Warum durfte dieser kleine Schatz nicht zu uns ? Ab da an ging alles recht schnell. Ich wurde in den Op gebracht und sollte zur Ausschabung bleiben. Bis zu jenen Moment war ich mir der Sache auch noch vollkommen sicher und dachte dass es das Beste wäre. Doch heute kann ich sagen dass es das nicht war. Dieser Moment, dort auf dem Stuhl, voller Trauer und Hilflosigkeit. Das war ein Moment den ich bis heute nicht vergessen kann. Ich wurde in Narkose gelegt und nach kurzer Zeit wachte ich wieder auf. Das wars also. Keine Schwangerschaft mehr, kein Baby, nichts. Ich weinte wieder. Doch auch für Marco war es nicht leicht. Wir hatten noch niemanden von der Schwangerschaft erzählt und er musste nun meinen Papa anrufen und ihm die traurige Mitteilung machen dass ich eine Fehlgeburt hatte. 
Er kam direkt ins Krankenhaus und blieb bei uns. Nach wenigen Stunden durften wir dann nach Hause und ich verzog mich ins Bett. Die nächsten Tage waren die Hölle für mich. Ich wollte dieses Kind so sehr. Ich wollte diese Schwangerschaft erleben und durfte nicht. Drei Wochen lang lag ich Zuhause und konnte nichts. Ich fiel regelrecht in ein Tief und wäre Marco nicht da gewesen , ich weiß nicht wie es weitergegangen wäre. Wir haben viel geredet, viel geweint und viel nachgedacht. Doch nach einer gewissen Zeit stand fest dass wir es wieder versuchen werden. Und schon nach kurzer Zeit war ich wieder schwanger. Motti machte sich auf den Weg und als ich den positiven Test in der Hand hatte, gaben sich Freude und Angst regelrecht die Hand. Passiert es dieses Mal wieder ? Muss ich wieder solch einen Moment erleben ? Doch meine Familie, meine Freunde, und meine Ärztin machten mir Mut und ich freute mich unendlich auf unser Kind. Ihr aller erster Entbindungstermin war der 19.3 . Genau der Tag an dem unser Sternchen gegangen ist und für mich war es wundervoll. Es hatte irgendwie einen Grund und stimmte mich glücklich. 

Als Motti dann zur Welt kam, zündete ich wenige Tage später eine Kerze an . Dafür, mich an diesen kleinen Menschen zu erinnern. Um ihm trotzdem einen Platz in unserem Leben zu geben.Und auch heute ist es wenige Tage nach Mottis Geburtstag immer noch so dass ich oft daran denke und stelle mir vor wie es wohl jetzt alles wäre. Ich weiß ich hätte meine beiden Mädels nicht und unser Leben wäre bestimmt ein wenig anders verlaufen. Doch heute hab ich zwei gesunde Kinder. Zwei Mädchen die mich immer wieder daran erinnern wie viel Glück ich habe. Und wer weiß, es hatte vielleicht seinen Grund warum ausgerechnet dieses Kind nicht bei uns sein durfte.

Ohne Hebamme wäre ich voller Angst gewesen

Ich möchte mit diesem Beitrag eigentlich aufzeigen, dass es eben egal ist in welcher Woche man ein Kind verliert, es ist und bleibt das eigenen Kind. Selbstverständlich ist es ein noch größerer Schmerz wenn die Schwangerschaft schon in einem gewissen Stadium ist, aber es ist eben auch für alle Frauen ein Verlust. Ein Schmerz den man so nicht beschreiben kann. Ich habe in der Schwangerschaft mit Motti wahnsinnig viel mit meiner Hebamme darüber gesprochen. Habe ihr meine Gedanken, meine Ängste und Sorgen mitgeteilt. Von ihr habe ich so viel Zuspruch bekommen, so viel Rat und Hilfe. Ich könnte mir nicht im geringsten vorstellen wie es wäre ohne eine Hebamme. Und gerade deswegen bin ich auch entsetzt dass es diese Möglichkeit für Frauen bald nicht mehr geben soll. Wie hätte ich diese Zeit ohne meine Hebamme gemeistert ? Ich weiß es nicht . Ich finde es wichtig dass Frauen diese Möglichkeit bekommen und wir können nur hoffen dass es nicht zu dem kommt, vor dem wir nun momentan wohl stehen. #aufdenTischhauenfürHebammen

Alles Liebe,
Saskia

  1. Liebe Saskia,
    Dein Artikel spiegelt viele meiner aktuellen Gefühle wieder. Ich habe im Mai Zwillinge verloren. Sie hatten den gleichen Entbindungstermin wie meine beiden Mädchen (auch Zwillinge).
    Wir haben uns so sehr ein drittes Kind gewünscht. Klar war da erst ein kleiner Schreck als es wieder Zwillinge wären, denn Schwangerschaft und Geburt waren bei uns nicht einfach, aber dann war da auch sehr schnell diese große Vorfreude.
    Aber irgendwie war es anders, mir war nicht so schlecht, aber der Bauch Woche so schon. Da ich wegen einer Risikoschwangerschaft eigentlich direkt ins Beschäftigungsverbot gewusst hätte, habe ich auf der Arbeit die Pause vorbereitet und und und…. Doch es kam auch in der 11.SSW alles anders. Erst ging ein Krümel und dann relativ bald auch der Zweite. Ich habe um die Möglichkeit gebeten es auf natürlichem Weg versuchen zu dürfen. Meine Freundin ist Hebamme und so habe ich zwei Wochen mit regelmäßiger HCG KONTROLLE bekommen.
    Ich würde es wieder so machen.
    Mein Herz konnte es so besser verarbeiten. Die Kleine Geburt war für mich nach dem Notkaiserschnitt mit den Zwillingen wichtig und richtig.Aber auch das hätte ich mich ohne Hebamme nicht getraut. Meine Freundin hat es zwar quasi nur am Telefon begleitet, aber es hat mir sehr viel Sicherheit gegeben.
    Im Moment kommen oft Gedanken, wie es wohl wäre wenn…vor allem wenn ich Schwangere sehe. Eigentlich wäre ich doch auch noch schwanger… Vielleicht haben wir ja auch noch mal das Glück…

    Toller Artikel

    Steffi
    Mejoma13

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