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Leben // Keine Geburt ist wie die andere

22/11/2016

Als ich damals diese zwei Striche auf dem Test sah gingen mir tausende Gedanken durch den Kopf. Unter anderem auch , wie wohl die Geburt werden wird. Gut ich hatte ja noch ein paar Monate vor mir aber es verging kein Tag an dem ich mir vorstellte wie schmerzhaft und intensiv so eine Geburt ist. Und natürlich hab ich auch den großen Fehler gemacht und mir ein paar Geburtsberichte im WWW durchgelesen was ich wirklich absolute bereue. Aber allgemein kommt man an den Erfahrungsberichten ja irgendwie nicht drum herum oder ? Egal wer, sobald sie sehen dass man ein kleines Wunder unter dem Herzen trägt geht es los.

  • Wie willst du denn entbinden? 
  • Normal oder Kaiserschnitt ? 
  • Also bloß keinen Kaiserschnitt, Kinder sollten es selber entscheiden dürfen. 
  • Hast du schon mal über eine Wassergeburt nachgedacht ? 
  • Also meine Geburt ging 26 Stunden und zum Schluss wurde sie doch per Kaiserschnitt geholt. 
  • Wir haben es gerade so noch ins Krankenhaus geschafft. 
  • Stell dich auf unheimliche Schmerzen ein, dass ist das schlimmste was du je erfahren wirst. 
  • UND UND UND…
Ich glaube ich könnte noch Stunden so weiter machen und darüber berichten was ich mir nicht alles anhören durfte. Doch von keinem war es böse gemeint, man meint es ja eigentlich nur gut. Denn man möchte der werdenden Mama eben seine Erfahrungen erzählen und ggf. Mut machen. Doch meist möchte man das nicht hören. Klar ist es interessant aber es kann einem eben doch schnell Angst machen. Trotz der ganzen Geschichten, der ganzen Meinungen und Erfahrungen war ich in Sachen Geburt total entspannt. Natürlich war mir klar dass das Schmerzen werden die ich so noch nie hatte, ich hatte ja auch noch keine Geburt hinter mir aber ich wollte es eben auf mich zukommen lassen. Eines war mir und auch Marco jedoch von Anfang an klar. Wir werden in ein Krankenhaus gehen. Klar hatte ich mir auch über andere Möglichkeiten, wie Geburtshaus Gedanken gemacht aber es war eben meine erste Geburt und wollte auf Nummer sicher gehen. Wir entschieden uns nach einem Infoabend für ein großes Krankenhaus hier in Hannover und waren auch sehr zufrieden damit .
Und dann war er plötzlich da, der Tag X. 

Hektisch, klinisch , nicht persönlich

Motti machte sich nach einem Blasensprung auf den Weg und hatte es , laut Wehen wohl auch echt eilig. Die Abstände zwischen den Wehen war extrem kurz und so kam ich , nach kurzer Zimmerbesichtigung, direkt in den Kreißsaal. Ich hatte eine sehr forsche Hebamme und war ehrlich gesagt eher froh wenn sie nicht im Raum war. Trotzdem war ich erleichtert als irgendwann der Arzt dazu kam. Doch gute Nachrichten hatte er nicht. Mottis Herztöne waren nicht besonders gut und so wurde alles Mögliche getan um ihr und auch mir zu helfen. Ich hatte wahnsinnige Schmerzen und das in extrem kurzen Abständen. Meine Hoffnung lag in einer PDA aber Pustekuchen. Nichts hat geholfen und als sie dann auch noch Blut an diesem kleinen Köpfen entnehmen mussten bekam ich Angst. Doch alles war in Ordnung. Und irgendwann war sie nicht mehr zu bremsen, sie wollte kommen. Ich war so erleichtert dass das Ganze nun endlich bald zu Ende sein wird und wollte mein kleines Wunder endlich in den Armen halten. Nach einem Dammschnitt ( der wie sich später rausstellte, schlecht und unnötig war ) , war sie endlich da. Unsere kleine süße Motti. Sie war perfekt und einfach unser kleines Wunder. Ich war so froh dass ich Marco an meiner Seite hatte und wir endlich unser kleines Baby im Arm halten konnten. Die Hebamme war weiterhin sehr forsch und „unfreundlich“ und nachdem sie Motti dann untersuchte und mich ins Zimmer brachte war ich froh dass sie endlich weg war. Die ganze Geburt war unendlich klinisch, unfreundlich und unpersönlich. Während der Geburt waren zwischenzeitlich mit mir und Marco, 7 Personen im Raum und trotz natürlicher Geburt, fühlte ich mich wie bei einer Op. Klar müssen die Ärzte ihre Kleidung tragen und steril muss auch alles sein aber wieso konnte es nicht privater sein ? Nach etlichen Gesprächen mit meiner Nachsorgehebamme stellt sich irgendwann raus, dass das alles so nicht hätte sein müssen. Die ganze Geburt hätte anders ablaufen können aber die Klinik wollte es so. Aber auch wenn es keine schöne Geburt war und ich gewisse Dinge immer in meinem Kopf behalten werde, bin ich natürlich wahnsinnig dankbar dafür, dass ich an diesem Tag diesen kleinen Menschen zur Welt bringen konnte.

Viel Geduld, Liebe und Verständnis

Nach einer unschönen ersten Geburt , stand für mich natürlich fest dass die nachfolgende auf keinen Fall ähnlich ablaufen soll. Ich wollte bestimmen wie es von statten gehen soll und ich wollte meine Lieben um mich herum haben. Nur eine Hebamme sollte dabei sein und keine weiteren Personen, es sei denn es ist kritisch und wirklich medizinisch notwendig. Dieses Mal entschieden wir uns für eine kleine, privatere Klinik, denn diese wurde uns von einer lieben Freundin empfohlen. Wir schauten uns auch hier die Klinik wieder genauer an und schon beim Besichtigen fühlte ich mich wahnsinnig wohl. Es war nicht wie im Krankenhaus, es war wie Zuhause. Die Leute waren herzlich, verständnisvoll und hilfsbereit. Von Anfang an erklärten wir, dass wir als Familie bei der Geburt sein wollen. Das hieß nicht nur Marco sollte dabei sein, sondern auch Motti. Es war entschiedene Sache und doch machte ich mich über ein Geburtshaus in der Nähe schlau. Doch der Weg war leider zu weit und so blieben wir bei der Klinik. Doch die Entscheidung war richtig wie sich später rausstellte . Einer meiner weiteren Wünsche war eine Wassergeburt. Schon in der Schwangerschaft war das Wasser mir immer eine große Hilfe und Erleichterung und so wollte ich unser zweites Wunder dort , wenn möglich , zur Welt bringen. Und dann war auch dieser Tag endlich da. Mitten in der Nacht ging es los und wir packten unsere kleine aufgeregte Motti ins Auto und fuhren los. 
Ich glaube sie war aufgeregter als wir zwei und fragte immer wieder nach dem Baby. Als wir ankamen wurden wir gleich in den Kreißsaal gebracht und Motti bekam ein paar Kekse. Es war ja nun auch mitten in der Nacht und man wusste nicht wie lange es wohl dauern wird. Die Wehen veratmete ich gemeinsam mit Motti und lief mit ihr und ihrem Bären durch den Kreißsaal. Die Hebamme kam nur hin und wieder und meinte sie wollte nicht stören und dass wir, sobald was wäre, nach ihr klingeln sollten. Sie wusste dass ich in die Wanne wollte und sagte mir Bescheid als es so langsam zum Ende ging. In der Zwischenzeit war eine gute Freundin gekommen um unsere aktive Motti ein wenig zu bespaßen . Während ich in die Wanne ging und Marco mich mit Wasser versorgte, schlief sie irgendwann ein. Eine weitere Hebamme betrat den Raum und kümmerte sich, die ganze Geburt über, komplett alleine um mich. Keine weiteren Ärzte, keine 7 Menschen in einem Raum. Nur sie, Marco , ich und das Wunder in meinem Bauch. Die Wehen waren sehr schmerzhaft aber ich kam super mit ihnen zurecht. Das ganze drumherum war einfach entspannter, schöner und ruhiger. Genau so wie die Hebamme selbst. So eine ruhige Stimme, so eine Gelassenheit und freundlich noch dazu. Und dann war der Moment gekommen. Nach ein/zwei Wehen war das Köpfchen da un ich durfte, gemeinsam mit der Hebamme, meine zweite  so wundervolle Tochter auf die Welt holen. Ich durfte sie mir selber auf die Brust legen und ihre kleinen Augen anschauen. Nachdem ich die Nabelschnur durchgeschnitten habe und die Hebamme alles kontrollierte verließ sie den Raum und ließ uns allein. Unsere Freundin brachte Motti zu uns und wir vier waren komplett. Wir waren in den ersten Sekunden alle zusammen und eine Familie. Wenn ich jetzt so an diesen Moment zurück denke steigen mir die Tränen in die Augen. Es war so perfekt und wunderschön 🙂
Ich war zum zweiten Mal Mama und der glücklichste Mensch der Welt.

Zwei kleine Wunder

Eines kann es ich trotz zweier völlig unterschiedlicher Geburten noch sagen . Auch wenn meine erste Geburt nicht perfekt war, von vielen unschönen Dingen begleitet wurde und ich sie mir gern anders gewünscht hätte, bin ich unendlich dankbar dass dabei so ein toller Mensch bei entstanden ist. Ich liebe meine beiden Kinder sehr und auch wenn die Geburten so unterschiedlich waren, ändert dass nichts an der Liebe zu den beiden. Denn sie können nichts dafür wie die Geburten abgelaufen sind. Die eine war geprägt von Angst und Schmerzen und die andere war liebevoll und wunderschön . Und trotzdem bin ich über beide froh . Hätte es Mottis Geburt so nicht gegeben, wäre ich nie auf die Idee zu einer selbstbestimmten Geburt gekommen und hätte mich nie mit dem Thema befasst. Und wäre Minis Geburt nicht so gewesen, dann könnte Motti nie erzählen dass sie bei der Geburt ihrer Schwester dabei war und sie mitunter eine der ersten war , die sie gesehen hat. Keine Geburt ist eben wie die andere.
Alles Liebe,
Saskia

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