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Leben // Die Liebe zu meinen Kindern

06/03/2017

Bevor ich anfange möchte ich kurz erwähnen dass mir dieser Bericht wirklich sehr schwer fiel und ich das ein oder andere Mal bestimmt nicht die richtigen Worte gefunden habe. Es ist nicht leicht sich Fehler einzugestehen und dies auch noch öffentlich preis zu geben. Als Mama macht man viele Fehler und in der heutigen Zeit hat man das Gefühl dass man diese Fehler bloß nicht zeigen darf. Man darf nicht zugeben dass es Zuhause auch mal unordentlich ist, weil man eben keine Lust hatte aufzuräumen. Man darf nicht zugeben dass die Kinder gerne fernsehen und und dabei vielleicht noch Süßkram essen. Aber so ist es nun mal. Es ist das echte Leben und wird in der sozialen Welt meiner Meinung nach viel zu selten offen gelegt. Aber nun möchte ich euch berichten, was mir momentan so auf der Seele brennt.

Wenn die Liebe sich anders anfühlt

Ist man mit dem ersten Kind schwanger, freut man sich auf die bevorstehende Zeit. Man ist gespannt, voller Vorfreude, doch etwas ganz bestimmtest spielt auch eine große Rolle – die Angst.
Als ich mit Motti schwanger war, hatte ich immer die Gedanken im Hinterkopf, wie es wohl werden wird. Was sich wohl verändern wird und wie es eben so ist mit einem Kind. Dann war Motti auf der Welt und ich wurde komplett umgehauen. Und zwar von diesen Gefühlen die ich für dieses kleine Bündel Mensch hatte. Wie kann ein so kleines Wesen so viel Gefühl in mir auslösen ? Plötzlich hab ich Liebe für einen Menschen empfunden wie noch nie zuvor.

Vor kurzen schaute ich mir ein sehr emotionales Video von Melli an. Sie berichtete über ihre Ängste und Sorgen bezüglich eines zweiten Kindes und ob sie überhaupt in der Lage wäre ein zweites Kind genau so zu lieben wie Frieda. Und ich kann ihre Sorgen so gut nachvollziehen. Denn genau ihre Sorgen, hatte auch ich in der Schwangerschaft mit dem Mini. In der Zeit als wir uns dafür entschieden ein zweites Kind zu bekommen, waren diese Gefühle noch nicht so präsent, doch als es immer realer wurde, wurden auch die Gedanken stärker. Kann ich für ein zweites Kind die gleichen Gefühle empfinden wie für das erste Kind ? Kann ich ihr die gleiche Aufmerksamkeit schenken und vor allem, wie wird es mit Motti weiter gehen? Wird sie zurückstecken müssen oder kann ich den richtigen Mittelweg finden ?

Motti machte es mir in der ersten Zeit wahnsinnig leicht. Sie war 2 Jahre alt als ihr Schwester kam und ich wiederhole es immer wieder gern, es war das perfekte Alter . Sie war neugierig, wollte Mama immer bei den Babydingen helfen und hat sich einfach unheimlich rührend um ihre kleine Schwester gekümmert. Es war zwar immer wieder auch anstrengend aber ich denke gerne an die Zeit zurück und erzähle Motti heute noch gern wie liebevoll und vorsichtig sie damals war. Doch schon im ersten Jahr ist es mir deutlich aufgefallen. Die Liebe zu beiden Kindern ist nicht gleich. Ich liebe beide Kinder unendlich aber anders. Ich kann es nicht genau beschreiben aber ich fühle es. Ich fühle dass ich in bestimmten Momenten Motti mit anderen Augen ansehe als Mini und so manches Mal schäme ich mich dafür. Es in Wort zu fassen ist sehr schwer aber ich sagte zu Melli, nachdem ich ihr Video gesehen hatte, dass ich der Meinung bin dass man die Liebe zu seinen Kindern nicht verdoppelt sondern aufteilt. Und vielleicht empfinde nur ich so aber ich bin der Meinung dass man eben jedes seiner Kinder anders liebt. Ich möchte nicht sagen dass ich eines meiner Kinder weniger liebe, aber es fühlt sich eben anders an. Ach man es ist wirklich schwierig dass so zu verfassen, dass es nicht herzlos rüber kommt. Ich kann ehrlich gesagt auch keine wirklichen Beispiele nennen und es anhand von Situationen erklären. Vielleicht hat es damit zu tun das der Mini mich in ihrem bisher kurzen Leben sehr gefordert und gebraucht hat . Vielleicht hat es mit meiner Vergangenheit zu tun und mit der Bindung zu meiner eigenen Mutter, ich weiß es nicht. aber insgeheim ist da der Gedanken dass es eben doch normal ist. Normal dass man in gewissen Momenten dem einen Kind ein Missgeschick schneller verzeihen kann als dem anderen. Normal dass man vom größeren Kind höhere Erwartungen hat, weil es eben das große Kind ist. Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, hab ich einen Kloß im Hals , denn es macht mich auf eine gewisse Weise traurig und wütend zu gleich.
Ich möchte nicht eines meiner Kinder bevorzugen und somit eines in den Schatten stellen. Doch zu meiner Schande muss ich gestehen dass es mir das ein oder andere mal schon passiert ist. Gerade wenn Motti mal wieder mitten in ihrer Zahnlückenpubertät steckt , fällt es mir oft schwer. Klar hat auch der Mini ihre Trotzphasen und bringt mich so manchen Mal an meine Grenzen aber ich kann es ihr irgendwie schneller verzeihen . 

Und da sitze ich nun und muss mir eingestehen dass ich nicht diese perfekte Vorzeigemama bin. Dass ich nicht diese „Die Liebe ist das einzige was sich verdoppelt wenn man es teilt„-Mama bin und eben andere Gefühle hierzu habe. Ich habe eine starke Bindung zu meinen Kindern und vermisse sich unendlich wenn sie nicht in meiner Nähe sind. Doch ich schaue beide mit anderen Augen an . Motti ist mein erstes Kind und hat mein Leben komplett verändert. Sie hat mir die Sichtweise auf gewisse Dinge umgekrämpelt, hat mir gezeigt was wichtig im Leben ist und wie dankbar ich für so manche Dinge sein kann. War ein perfektes erstes Kind und hat es von Anfang an gut gemeint mit uns. Und der Mini hat mich von Minute 1 an gefordert. Braucht Mama 24 Stunden, 7 Tage die Woche und wich mir nicht von der Seite. Bis heute ist sie ein Mamakind und ich glaube dass das der Schlüsselpunkt ist. Ich glaube dass wir eine intensivere Bindung haben und das vielleicht ganz unbewusst. Ich habe viele Tränen vergossen, oft an mir gezweifelt und mich oft hilflos gefühlt. Doch auch wenn der Mini mich so gefordert hat, hab ich eine Liebe für sie entwickelt die sich nicht in Worte fassen lässt. Auch die Gefühle für Motti sind unbeschreiblich und wundervoll, doch ist es eine andere Bindung zwischen uns. Es war zwischen uns beiden immer einfach und unkompliziert. Nie gab es zwischen uns beiden Momente in denen ich sehr gefordert wurde oder in der ich bei ihr extrem an meine Grenzen stieß. Es waren normale Situationen , die man so erlebt als Mama. Eben ganz anders als bei dem Mini-Muffin.

„Ich glaube, dass Erziehung Liebe zum Ziel hat. Wenn Kinder ohne Liebe aufwachsne, darf man sich nicht wunder, wenn sie selber lieblos werden.“
 – Astrid Lindgren-

Ich liebe beide Kinder mit vollem Herzen und sie mich und ich weiß dass sie selber nicht dass Gefühl haben anders behandelt zu werden . Und trotzdem möchte ich mehr darauf achten, beide gerecht und „gleich“ zu behandeln und ihnen die gerechte Aufmerksamkeit zu schenken. Ich möchte selber nicht mehr die Gedanken haben müssen dass ich einen von beiden vernachlässige oder in den Schatten stelle. Ich möchte ein gutes Gleichgewicht finden und meine Zeit für beide irgendwie einteilen. Wie es sich entwickelt werde ich sehen und ob es funktioniert wird sich zeigen aber ich werde mein Bestes geben.

Alles Liebe,
Saskia

  1. Liebe Saskia,
    ich kann gut nachvollziehen, dass es dir schwer gefallen ist diesen Beitrag zu schreiben und die richtigen Worte dafür zu finden. Ich finde deinen Mut dazu toll und bin mir sicher, dass du einen guten Weg gefunden hast beiden Kindern die Liebe zu geben, die sie brauchen. Liebe Grüße
    Anita

  2. Ich denke es geht auch nicht darum, die Kinder immer gleich zu behandeln. Das würde auch den Kindern nicht gerecht werden, denn sie sind nicht gleich.
    Ehrlich über seine Gefühle und sein Verhalten diesbezüglich reflektieren zu können ist finde ich der wichtigste Schritt. Und wenn man dem unkomplizierten Geschwisterkind dann noch vermitteln kann, dass es nicht weniger wichtig ist, weil es weniger "Einsatz" (von was auch immer) benötigt, ist das wichtigste finde ich bereits geschehen.

  3. Liebe Saskia, ich lese heute zum ersten Mal deinen Blog und dann gleich diesen Artikel. Ich kann dich so gut verstehen, denn mir geht es genau so. Wenn du magst findest du meine Kontaktdaten auf alltagsreise.de. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir in einen Austausch treten könnten. LG, Doreen

  4. Liebe Saskia,
    erst einmal finde ich es richtig klasse, dass du darüber geschrieben hast! Wie ich ja schon an vielen Stellen geschrieben habe, kommt die Ehrlichkeit auf den ganzen Social Media Welten viel zu kurz. Deswegen gerne mehr von solchen Beiträgen wie deinem!!
    Mir persönlich geht es ganz ähnlich, allerdings genau andersherum. Die Große hat mich von vornherein gefordert und war in allen Punkten anstrengend (eben Erstkind und ich noch vollkommen unerfahren). Der Kleine ist von vornherein so einfach gewesen, dass es mir nicht schwer fällt, ihn zu 100% zu lieben. Bei der Großen hab ich da manches Mal meine Schwierigkeiten, weil sie so anstrengend ist.
    Ich glaube, wir können unsere Kinder nicht gleich lieben. Und wir werden als Mutter noch oft versagen. Aber einem Selbst zu vergeben, das ist glaub ich das Wichtigste. Und zu wissen, dass wir nicht allein sind 🙂
    Alles Liebe!
    Janina

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