Gedanken

Familienleben // Wenn das eigene Kind operiert wird

12/04/2016
Polypenoperation beim Kind

Das eigene Kind wird operiert

Es gibt Moment im Leben als Eltern, die man eigentlich nicht erleben möchte aber manchmal doch muss. Vor einem Monat waren wir mit den Zuckerfeen beim HNO zur Kontrolle und wurde mit der Diagnose konfrontiert, dass eine Polypenoperation nicht mehr unumgänglich ist . Irgendwie ahnten wir es schon da sie große Schwierigkeiten mit der Atmung hatte. Seit sie ca. 1 1/2 Jahre alt ist atmet sie nicht mehr durch die Nase sondern nur durch den Mund. Dadurch hatte sie im Schlaf immer wieder geschnarcht und gelegentliche Atemaussetzer was uns große Sorgen machte. Und nun war es durch den Arzt bestätigt, was wir schon längst vermutet hatten, sie wird operiert.
Die Polypen sollen entfernt und die Mandeln verkleinert werden. Während der OP wird dann noch einmal nach den Ohren. Klar für die Ärzte ist es ein Routineeingrif und auch die Operation wird nicht lange dauern aber es ist und bleibt ein Eingriff.
Ich war unheimlich aufgeregt und umso näher der Tag rückte um so nervöser wurde ich.
Wir haben dem Mini-Muffin von Anfang an erklärt worum es geht und was sie erwartet, wir wollten ja auch ehrlich zu ihr sein. Sie selber hatte auch ein wenig Angst aber konnte mit dem Gedanken Operation nicht viel anfangen glaube ich.

Lister Krankenhaus Hannover

Und dann war der Tag da

Die OP fand im Lister Krakenhaus in Hannover statt und wir fühlten uns von Anfang an gut ausgehoben. Wir verstauten unsere Sachen und warteten auf die Schwester die dem Mini-Muffin ihren Zaubersaft brachte. Nachdem sie den getrunken hatte, war sie wie betrunken 😀
Sie lallte, erzählte komische Sachen und kicherte die ganze Zeit. Es nahm uns allen irgendwie die Angst und doch machten wir uns Sorgen. Gemeinsam mit Marco warteten wir im Zimmer darauf das sie in den OP gebracht wird. Und dann war es soweit. Die Schwestern kam, es ging für uns alle zwei Etagen nach unten und dann mussten wir uns auch schon verabschieden. Als die Tür dann zu ging und mein Kind weg war, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurück halten.
Ich hab sie abgeben, einfach weggegeben und das zu fremden Menschen, die sie jetzt in eine Narkose legen und sie operieren. Diese Vorstellung war schrecklich. Aber dank Marco hatte ich mich schnell wieder gefasst und wir gingen wieder nach oben. Dort trank ich erst einmal einen Kaffee und dann hieß es abwarten. Immer wieder setzte ich mich auf ihr Bett, stand wieder auf, lief rum oder schaute aus dem Fenster. 30-45 Minuten dauert die OP, so hieß es aber es kam mir alles viel länger vor.
Und dann durften wir sie abholen.

Schon im Treppenhaus haben wir sie weinen und schreien hören, ein grausamer Moment.
Man hat sich so hilflos gefühlt und ich wollte so schnell wie möglich zu ihr, Sie lag da, in ihrem Bett, schrie, schlug um sich und wusste nichts mit sich anzufangen. Immer wieder griff sie nach ihrem Zugang, schrie AUA und wollte ihn raus reißen. Im Zimmer angekommen , nahm ich sie sofort auf den Arm doch sie schlug immer wieder nach mir. Selbst jetzt laufen mir wieder die Tränen, denn dieser Moment war so unendlich grausam. Noch nie hab ich mein Kind so gesehen und hatte keine Möglichkeit ihr zu helfen.
Ich drückte sie an mich, sang ihr ihr Lieblingslied vor und hoffte dass sie wieder einschlief. Marco stand neben uns und versuchte mit lieben Worten uns beide zu beruhigen. Ohne ihn hätte ich diesen Augenblick nicht überstanden. Irgendwann schlummerte sie wieder ein , wachte nach 20 Minuten wieder schreiend auf aber fand dann relativ schnell wieder in den Schlaf. Und ab da an schlief sie fast den ganzen Tag.

Polypenoperation am Kind - frisch operiert

 

Polypenoperation am Kind - Krankenzimmer

Nach einer Stunde machte Marco sich auf den Weg nach Hause, er musste Motti ja auch wieder von der Oma abholen. Irgendwann gegen Nachmittag wachte der Mini-Muffin dann auf und dank der lieben Krankenschwester durfte sie ein Eis essen.

 

 

Polypenoperation am Kind - das erste Eis

Sie bekam immer wieder Schmerzmittel, denn der Hals tat einfach zu sehr weh.
Ich versuchte , so gut es ging, sie ein wenig bei Laune zu halten und wir schauten gemeinsam ein paar Folgen My little Pony auf Papas Tablet, doch es dauerte nicht lang und sie schlief wieder ein.

Polypenoperation am Kind - Ablenkung

 

Polypenoperation am Kind - völlig erschöpft

 

 

 Abends aß sie dann ein klein wenig Toast aber wirklich hunger hatte sie nicht 🙁
Unsere Nacht war relativ gut. Sie wachte immer mal wieder auf, wollte etwas trinken und mit Mama kuscheln aber sie hatte keine Schmerzen.
Am nächsten Morgen gab es dann Eis zum Frühstück und zum ersten Mal lächelte unsere kleine Zuckerfee wieder. Während sie ihr Eis verputzte, trank ich meinen Kaffee und wartete am Fenster auf Motti und Marco. Denn wir sollten entlassen werden und uns noch einmal in der HNO Praxis vorstellen.

Polypenoperation am Kind - Abreisetag

Als der Mini-Muffin dann beide unten auf der Straße entdeckte freute sie sich wahnsinnig. Sie strahlte über beide Ohren und rief immer wieder mit ihrer Mickey Mouse Stimme nach den beiden.
Nachdem wir dann unsere Sachen gepackt hatten, mussten wir noch ins Schwesternzimmer den Zugang entfernen lassen. Unsere kleine Zuckerfee war wahnsinnig tapfer und nicht geweint.
Allgemein war ich unheimlich stolz auf sie und darauf wie sie das alles gemeistert hat.
Wir waren alle total froh als es dann endlich wieder nach Hause ging.

Polypenoperation am Kind - Abreisetag auf dem Weg nach Hause

Nun ist es heute genau eine Woche her und so langsam geht es Berg auf. Am Wochenende musste wir noch einmal zum Kinderarzt da der Mini-Muffin immer wieder hohes Fieber bekam und sie Antibiotika brauchte. Doch mittlerweile scheint es ihr wirklich wieder besser zu gehen und auch das Fieber ist weg.
Sie hat immer noch ab und zu leichte Halsschmerzen aber wie die Heilung ist, erfahren wir dann am Donnerstag. Denn dann geht es nochmal zum HNO und ich bin wirklich gespannt.

Alles in allem war es unheimlich Nervenaufreibend und eine große Probe für uns alle. Mein Mamaherz hat wahnsinnig geblutet und es war ein schwerer Schritt für uns als Eltern aber ich bin froh dass wir es gemacht haben. Denn schon jetzt atmet sie wieder durch die Nase, schnarcht nicht mehr und hat keine Atemaussetzer. An Durchschlafen ist natürlich noch nicht zu denken, da sie gerade Nachts immer mal wieder Halsweh hat aber wir sind auf dem besten Weg.

Ich möchte mich auch hier noch einmal für all die lieben Worte, Genesungswünsche und Nachrichten bedanken die uns in der Zeit erreicht haben. Wir haben uns wirklich sehr gefreut.

 

  1. Oh,
    das ist bestimmt schlimm. Die Tochter eines Kollegen. Musste nach einem Fahrradunfall ebenfalls operiert werden. Der Hals Nasen Ohrenarzt schickte alle gleich zum Chirurgen.

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