Eltern sein | Erziehung

Leben // Die „Kleine Pubertät“ – nicht nur für die Eltern schwierig

15/02/2017
Sich laut äußern gehört dazu
 
In den letzten Monaten hab ich mich versucht schlau zu lesen. Hab Google förmlich lahm gelegt um Infos über kleine Pubertät zu finden und muss gestehen dass ich nach dem ein oder anderen Tipp gesucht habe. Doch so wirklich fündig bin ich nicht geworden. Klar standen da so einigen Dinge in denen ich unsere momentane Situation wieder finden konnte aber so wirklich 100 % war es nicht . Ich weiß auch gar nicht was genau ich erwartet habe und was ich erhofft habe zu finden aber ich wollte einfach nachlesen dass es normal ist. Bei zwei Kindern bin ich ja mittlerweile so einiges gewohnt und kann auch mit den Trotzphasen gut umgehen, obwohl ich ja der Meinung bin dass der Begriff ziemlich überspitzt ist. 

 

Die Zahnlücken-Pubertät

Ich glaube es kennt jeder. Den Moment, wenn das eigene Kind plötzlich zum kleinen Hulk mutiert. Wenn dort plötzlich in diesem kleinen Menschen so viel Wut steckt, dass man damit ein ganzes Stadion füllen könnte. Schon in der „Trotzphase“ hab ich mich so manches Mal gefragt wessen Kind dass da vor mir ist ??? Wo kommt diese Wut her? Wo ist das liebe, lachende Kind hin, was vor ein paar Minuten noch vor mir stand ? Doch es war recht schnell klar was in dem kleinen Körper vor sich ging. Plötzlich fühlte es etwas in sich, was es vorher noch nicht kannte. Es verspürte Wut, Ärger und Traurigkeit und dass vielleicht sogar alles auf einmal . Plötzlich wollte sie ihren Willen durchsetzen , koste es was es wolle. Doch diese Phasen haben wir gut gemeistert. Ein und ausatmen half gerade mir sehr viel. Denn wieso sollte ich meckern? Wieso sollte ich dieser Stimmung gerade noch mehr Input geben ?  Wenn es besonders schlimm wurde, dann hab ich teilweise sogar den Raum verlassen, gewartet und bin entspannt wieder zurück gekehrt, Und es hat geklappt. Ja und nun ? Nun stecken wir momentan wieder in einer neuen Situation , die für uns als Eltern wieder sehr herausfordernd ist. Die viele Nerven kostet und ab und zu einen echt ganz schön arg an die Grenzen bringt. Die „kleine Pubertät“ testet uns gerade als Eltern wahnsinnig aus. Doch gerade auch die Kinder haben damit eben sehr zu kämpfen. Im Laufe der Zeit hab ich versucht heraus zu finden wieso gewisse Reaktionen so kommen und was wohl los ist. Doch die wohl beste Lösung bzw. Antwort bekam ich von Motti .

Ihr Kopf würde ihr diese Dinge sagen, Sie soll eben gewisse Reaktionen einfach machen und was ihr Kopf ihr sagt, das macht sie auch. Und ich glaubte es ihr sofort. Denn böse Absichten oder eine gewollte Reaktion sehen anders aus. Und sie ging sogar ins Detail. Der eine könnte jetzt meinen es sei einfach nur eine Ausrede ihrerseits aber das glaube ich nicht. Ihrer Erklärung nach würde ihr Kopf, in dem Moment wo sie ihren Willen nicht kriegt, sagen dass sie Mama und Papa anschreien soll. Dass sie wegrennen soll, in ihr Zimmer und einfach nicht mehr mit uns reden soll. Jetzt wo ich es so schreibe klingt es wirklich ein wenig komisch aber ihr hättet dieses kleine Gesicht dazu sehen sollen. Es war ihr ernst, keine Lügengeschichte oder Ausrede. Einfach die Wahrheit und ich sah in ihren Augen dass es ihr schwer fiel. Es sind immer wieder Situationen in denen ich sofort merke, dass Sie einfach nicht weiß wie sie sich verhalten soll. 
 

Nicht mehr klein aber auch nicht groß

Für Vorschulkinder ist es schwer sich richtig einzuordnen und die richtige Position für diese Zeit zu finden. Denn eigentlich möchten sie noch das Kleinkind sein was Mama und Papa braucht und auf der anderen Seite ist da diese Selbständigkeit. Dieses „Ich kann das alleine“„Ich bin doch schon groß“ .
Sie möchten eben doch gerne noch ein wenig Unterstützung von Mama oder Papa. Möchten dass man ihr unter die Arme greift und ihnen hilft. Gerade wenn kleinere Geschwister vorhanden sind, ist es besonders schwierig. So jedenfalls bei uns. Sie weiß dass sie es kann aber ist es nicht auch schön Hilfe zu bekommen ? Und wieso sollte ihre kleine Schwester in gewissen Dinge noch Mama und Papa rufen dürfen und sie nicht ? Nur weil sie dieses Jahr zur Schule kommt? Nur weil sie die Große ist ? Ich glaube gerade dass ist bei uns der Ausschlag gebende Punkt. Das ist der Auslöser für den ein oder anderen Ausraster, für die kleinen Schreianfälle und die bösen Blicke. Ganz unbewusst rückt sie in den Hintergrund und fühlt sich vernachlässigt. Doch auch wenn ich jetzt zig Dinge schreiben könnte, um zu belegen dass es nicht so ist, scheint ja irgendetwas dran zu sein. Denn nicht einfach so hat ein Kinder das Gefühl hinten dran zu sein. Wir verteilen unsere Zeit auf beide Kinder gleich aber da ist wieder dieser Punkt mit dem älter sein. Man denkt sich, wenn auch blödsinnig, dass das große Kind diese Dinge nicht mehr machen möchte, es dies und jenes ja alleine kann und bestimmt keine Hilfe mehr brauch. Doch falsche gedacht, sie wollen es. Natürlich sind die Kleinen in der Hinsicht wieder verschieden und jedes Kind verlangt auch anders aber bei uns trifft es voll und ganz zu. Motti möchte die Zeit, die sie als Kindergartenkind hat, die sie nutzen kann um Zeit mit Mama und Papa zu teilen, komplett aufsaugen. Denn ihr ganzes Umfeld, sei es die Mama aus dem Kindergarten, die Großeltern oder die Kassieren, jeder erzählt ihr dass sie ja bald ein Schulkind ist und was dort alles auf sie zu kommt. Lernen, Lesen, Schreiben und und und. Man muss zuhören, still sitzen und aufmerksam sein. Ich glaube schon dass sie sich auf die Schule freut aber es macht ihr auch ein wenig Angst und dabei müssen wir ihr helfen.
 
 

Unterstützen statt belehren

Was mir besonders aufgefallen ist, Kinder möchte dass man ihnen zuhört. Sie möchten in diesen Phasen besonders gesehen werden und uns ihre Probleme mitteilen. Es gab bei uns Situationen, in denen wir mit extremen Reaktionen überrumpelt wurden. Geschrei, knallende Türen und ein „ihr seid doofe Eltern“. Ähm HALT … STOPP … kommt dass alles nicht erst in der Teenager-Zeit? Naja egal, irgendwas war auf jeden Fall los aber wie sollten wir reagieren ? Meckern, ermahnen, laut werden ? Ich muss gestehen, so manches Mal wurde es auch laut aber genau in die Richtung soll es eben nicht laufen. Keine Wut und kein Geschrei sollte mit dem gleichen erwidert werden. Man merkte ihr an, sie möchte uns etwas mitteilen aber sie wusste nicht wie. 
Ich glaube einfach dass gerade in der Vorschulzeit in den Kindern wahnsinnig viel vor geht uns sie nicht damit umgehen können. Auf der einen Seite sind sie noch Kindergartenkinder, dürfen spielen, laut sein und auch frech. Und dann ist da aber diese andere Seite. Die von der alle jedes Mal reden wenn sie auf einen treffen. Diese spannende Zeit als baldiges Schulkind. Es wird davon gesprochen dass man lernen muss, das man zuhören muss und dass man ganz viele neue Dingen kennen lernt. Aber wie soll man sich als Kind darauf einstellen ? Und vor allem wie soll man als Eltern die Kleinen unterstützen ?

Ganz viel Verständniss

Meiner Ansicht nach möchten sie einfach nur gehört werden und besonders bei Motti ist mir das stark aufgefallen. Sie wurde nicht nur laut weil sie ihren Willen nicht bekam, nein sie wurde laut weil man ihr nicht zuhörte. Denn sagte man “ Nein “ und sie wollte noch was dazu sagen, schritt ich wieder dazwischen und wiederholte mein “ Nein “ . Doch wieso ihr nicht zuhören ? Vielleicht wollte sie mir etwas vorschlagen und eine andere Sache dazu sagen. Wollte sie vielleicht einen Vorschlag machen und kam wieder nicht zu Wort. Und da wären wir beim nächsten Punkt. Die Alternativen bieten wir viel zu selten an. Immer wieder verharrt man auf seiner Position und besteht darauf dass das Kind genau das macht was man von ihm möchte. Ich bin ehrlich, so wollte auch ich dass Motti genau das macht was ich möchte. Doch wieso? Ist mein Weg denn genau der Richtige ? Nein , nicht immer. Und so biete ich ihr eben Alternativen an in gewissen Momente und es klappt sehr gut. Geht es zum Beispiel darum dass sie morgens lieber ein Sommerkleid anziehen möchte, ich aber der Meinung bin es ist zu kalt , merke ich bei ihr schon wie so langsam die Emotionen steigen und sie aber unbedingt das Kleid anziehen möchte. Und so biete ich ihr an dass sie entweder meine Wahl anzieht oder ihr Sommerkleid mit einer Strickjacke. Auch erkläre ich ihr wieso ich diese Möglichkeiten biete und sie versteht es sehr gut. Ich hoffe ihr versteht wie ich das ganze Meine.

Doch nicht immer klappt das. Denn manchmal ist es einfach so verzwickt dass keine Alternative, kein gutes Zureden und kein Entgegenkommen hilft. Doch dann lasse ich sie für sich. Sie zeigt mir recht offensichtlich ob sie meine Nähe nun braucht oder nicht . Und wenn dem nicht so ist dass lass ich sie damit allein zurecht kommen. Das scheint jetzt hart zu klingen aber für sie ist es perfekt. Sie beruhigt sich selber und man merkt ihr an wie sie in dieser Zeit nachdenkt. Meist kommt sie dann zu mir und das ganze wird noch einmal besprochen. Und oft endet es dann mit einer kleinen Umarmung und alles ist wie weggeblasen.

Ich habe kein Grundrezept gegen solche Ausraster, gegen die hochkochenden Emotionen und nicht jedes Kind ist so gestrickt wie unsere aber wir haben einen guten Weg gefunden , dass für uns alle die “ Kleine Pubertät “ kein großes Problem wird.

 

Wie kommt ihr mit der Zahnlücken – Pubertät zurecht ? Sind eure auch manchmal kleine Hulks und wie bekommt ihr es gerecht geregelt ? Ich freue mich sehr auf eure Ideen und Vorschläge.

Alles Liebe,
Saskia

 

 

 
 
  1. Das Thema kommt mir sehr bekannt vor! Habe auch vor einiger Zeit mal über die "Vorpubertät" geschrieben. Eine echt schwierige Zeit für Eltern & Kinder und wie man so schön sagt, wieder eine Phase. Wahrscheinlich schonmal ein kleiner Vorgeschmack auf die "echte" Pubertät 😉

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: