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Erziehung // Aber da musst du doch nicht weinen

20/10/2017
Mama tröstet Tochter

Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, möchte ich euch kurz erklären, was es mit der Überschrift auf sich hat. Wir saßen hier in unserem Krankenlager und haben alle gemeinsam einen Film geguckt . “ Marley und ich “ ist es bei der Wahl geworden und die Mädels fanden ihn von Anfang an super. Irgendwann kommt der Moment, wo der wunderbare Hund Marley älter wird und verstirbt. Ich selber musste schon sehr mit den Tränen kämpfen und schluchzte so vor mich hin. Motti hatte ich rechts im Arm, Mini links. Und plötzlich fiel mir auf dass Mini immer ruhiger wurde und ihre Unterlippe zuckte. Ganz plötzlich fing sie unendlich doll an zu weinen und konnte sich kaum mehr beruhigen. Die dicken Tränen liefen nur so und sie steigerte sich immer weiter rein. Auf meine Frage hin warum sie weinte, antwortete sie : “ Das ist so traurig, der arme Hund!“
Ich war von dem Moment so ergriffen und versuchte unsere kleine Maus irgendwie zu beruhigen. Erklärte ihr aber, das es völlig in Ordnung sei zu weinen und sie es ruhig zeigen darf wenn sie etwas traurig findet. Es hat mich so berührt dass dieser kleine Mensch so viel Mitgefühl zeigt und mit diesem Hund und der Familie mitleidet. 

Emotionen sind erlaubt

Ich selber bin ein sehr emotionaler Mensch. Passiert etwas trauriges bin ich die erste die ihren Emotionen freien Lauf lässt. Ich kann keine traurigen Filme schauen, ohne zu weinen. Aber auch Wut und Enttäuschung kann ich sehr gut zeigen und ich empfinde das auch als wichtig. Wie schlimm ist es, wenn man seine Emotionen verbirgt und daran evtl. irgendwann zerbricht ?
Welchen Satz man gerade als Eltern immer mal wieder sagt ist  : “ Aber da musst du doch nicht weinen „
Doch ich finde ihn so unpassend. Wieso nehmen wir uns das Recht raus darüber zu bestimmen. Sind es unsere Emotionen und Gefühle? Wissen wir überhaupt ob es für das Kind gerade schlimm ist oder nicht ? 
Wenn eines meiner Kinder sich verletzt und danach bitterlich weint, käme ich nicht auf die Idee zu sagen dass es deswegen nicht weinen muss. Nur mein Kind kann wissen ob es weh tut oder nicht. Und vielleicht weint es ja noch nicht mal aus Schmerz sondern aus Angst. Weil es sich evtl erschrocken hat und mit der Situation gerade nicht anders umgehen kann .Ich finde es wichtig dass Kinder eben diese, für sich so wichtigen, Emotionen zeigen dürfen. Nicht nur Mädchen , sondern auch Jungs.  Welcher Mann hat in seiner Kindheit nicht den Satz  “ Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ gehört ? Ernsthaft … was ein Bullshit. Wieso dürfen Jungs keine Schmerzen zeigen. Wieso dürfen sie nicht ganz offensichtlich damit umgehen, dass ihnen etwas weh tut oder sie verletzt ?  Ich finde es unendlich wichtig und sehr menschlich, wenn jemand seine Gefühle zeigt. Anderen mitteilt wie es einem geht und sich eben nicht verstellt oder gar dafür schämt. Jungs wie Mädchen sollten ehrlich mit ihren Emotionen umgehen dürfen und wir als Eltern stehe in der Pflicht diese auch ernst zu nehmen. Stellt euch vor, eure Liebes des Lebens verlässt euch. Der Grund völlig egal, aber es verletzt euch. Ihr seid traurig und möchtet es am liebsten in die Welt heraus schreien. Und dann kommt jemand und sagt „Ach so schlimm ist das gar nicht, da braucht man  doch nicht weinen“
Oh doch es ist schlimm. Für genau diese Person ist es gerade unerträglich und man wünscht sich nichts mehr, als Verständnis und Mitgefühl.

Mitgefühl und Empathie

Gerade in der Situation mit Mini war ich wirklich überrascht wie sehr sie doch mitfühlte. Wie sehr sie diese Trauer und diesen Verlust mitnahm. Irgendwann beruhigte sie sich auch wieder und als es ins Bett ging redeten wir noch kurz darüber. Ich erklärte ihr noch einmal dass ich es nicht schlimm finde, wenn sie wegen solch einem Moment weinen muss. Dass es auf eine gewisse Art auch schön ist. Denn sie hat Mitgefühl für die Trauer dieser Leute. Sie selber sagte mir auch noch dass ihr der Hund so leid tat. Er hatte so ein schönes Leben und plötzlich stirbt er . Wieso musste er sterben fragte sie mich. Ich erklärte ihr dass jedes Leben irgendwann einmal endet und bei dem Hund war es nun eben zu diesem Zeitpunkt. Sie hat es erstaunlich gut verstanden und schlief auf die Nacht recht ruhig. Besonders rührend war dann, als sie morgens runter ging zu Sammy, ihn in den Arm nahm und ihm sagte dass sie ihn lieb hat. Das ganze beschäftigte sie doch noch und man merkte dass sie Angst hat, Sammy irgendwann zu verlieren. 
Doch diese Emotionen, die sie bei dem Film zeigte, gehören dazu. Sie darf sie zeigen und soll es auch. Denn ich möchte dass meine Kinder Mitgefühl für andere Personen haben. Dass sie für andere da sind wenn es ihnen schlecht geht. Anderen helfen werden und Trost spenden. Denn sie möchten dass ja auch, mal mehr mal weniger. In manchen Situationen möchten auch meine Kinder mit ihrer Trauer allein sein. Doch in den meisten Momenten fühlen sie sich wohler, wenn jemand in ihrer Nähe ist.
Wenn wir als Eltern Mitgefühl für andere haben, helfen oder sie unterstützen, dann lernen es auch unsere Kinder. Sie erfahren dass es richtig ist das Gefühl anderer ernst zu nehmen und in gewissen Momenten für diese da zu sein. 

Alles Liebe,
Saskia

 

  1. Toller Beitrag 😍 ich bin auch ein sehr emotionaler Mensch. Der auch vor Freude weinen kann. Meine Mädels haben das auch mit in die wiege gelegt bekommen und das schätze ich sehr .💕

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